Das Grün der Erde ist in stetigem Wandel. Das heißt, die Region, in der es gerade am grünsten auf unserem Planeten ist, verändert sich ständig. Eine Forschungsgruppe unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Leipzig hat eine neue Methode entwickelt, diesen Schwerpunkt zu berechnen. So konnten sie auch die globale Vegetation und ihren Wandel nachvollziehen.

Grüne Welle vom Nordatlantik zur afrikanischen Küste

Aber was genau soll der "grüne Schwerpunkt" eigentlich sein? "Stellen Sie sich vor, Sie halten einen perfekt runden Globus in Ihren Händen", sagt Erstautor Miguel Mahecha. "Daran befestigen Sie kleine Gewichte, welche die grünen Pflanzenteile auf dem Festland repräsentieren. Wenn Sie den Globus in ruhiges Wasser legen, wird der Schwerpunkt immer nach unten zeigen."

Dieser schwerste, grünste Punkt verändert ständig seine Lage. Wie genau, das hat das Team um Mahecha mithilfe von Satellitenbeobachtungen und Modellrechnungen bestimmen können. Demnach bewegt er sich im Rhythmus der Jahreszeiten wie eine grüne Welle vom nördlichsten Punkt Mitte Juli im Nordatlantik nahe Island zu seinem südlichsten Punkt im März vor der Küste Liberias und anschließend wieder zurück. Der grüne Schwerpunkt bleibt also immer auf der Nordhalbkugel.

Mehr Grün durch globale Erwärmung

Die Forschenden hatten eigentlich erwartetet, dass der grüne Schwerpunkt sich auf die Südhalbkugel verlagern müsste, wenn dort Sommer wird. Aber tatsächlich ist das nicht passiert: Die Forschenden haben die grüne Welle über mehrere Jahrzehnte vermessen. Tatsächlich hätten sie dabei eine stetige Verlagerung in Richtung Nordhalbkugel zu allen Jahreszeiten nachweisen können. Die Forschenden vermuten, dass das an längeren Wachstumsperioden und milderen Wintern liegen könnte, die diese weltweite Vegetations-Verschiebung verursachen. "Allerdings handelt es sich hierbei um eine Hypothese, die wir noch prüfen müssen", sagt Erstautor Mahecha.

Im April beginnen die Wälder Mitteleuropas zu ergrünen. Der grüne Schwerpunkt der globalen Vegetation wandert zu dieser Jahreszeit nach Norden. Das Foto zeigt den Nationalpark Hainich in Thüringen.Bildrechte: Stefan Bernhardt

Doch der Vegetations-Schwerpunkt hat sich den Forschenden zufolge nicht nur nach Norden, sondern auch immer weiter nach Osten verschoben. Sie vermuten, dass der Grund dafür das starke Global Greening ist. Insbesondere Indien, China und Russland seien Hotspots dieses Phänomens heißt es.

Die "grüne Welle" liefert Forschenden wichtige Erkenntnisse zum Phänomen des Global Greenings. Damit ist die weltweite Zunahme der Vegetation gemeint. Denn im Zuge des sich verändernden Klimas verändert sich auch die weltweite Vegetation. Wenn es mehr Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre gibt, wirkt das nämlich wie Dünger, heißt es von den Forschenden. Das fördere die Photosynthese und damit das Pflanzenwachstum. Gleichzeitig verlängerten höhere Temperaturen die Vegetationsperioden in vielen Regionen. Das heißt also, dass eine längere Zeit im Jahr überhaupt etwas wachsen kann.

Links/Studien

Mahecha, Miguel et. al.: Accelerated north-east shift of the global green wave trajectory. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 2026. DOI: 10.1073/pnas.2515835123.

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