Dürren, Waldbrände, Rodungen – weltweit sind tropische Regenwälder bedroht. Zugleich kommt ihnen eine Schlüsselrolle dabei zu, die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Sie sollen das viele überschüssige CO2 binden, das durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe in die Atmosphäre gelangt ist. Klar ist deshalb, dass geschädigter Regenwald sich möglichst schnell erholen muss. Und hier liefert ein internationales Team von Wissenschaftlern jetzt wertvolle Ergebnisse auf Basis detaillierter, langjähriger Beobachtungen.

Langzeitstudie in Panama: Wie Stickstoff und Phosphor das Wachstum geschädigter Regenwälder beeinflussen

Auf einer grasigen Hangfläche mit vielen markierten Pflanzstellen arbeitet eine Person in orangener Kleidung; im Hintergrund steht dichter grüner Wald unter hellem Himmel.Bildrechte: Sarah Batterman/Cary Institute of Ecosystem Studies

Das Team um Wenguang Tang und Sarah Batterman hat Daten von 76 Waldstücken in Panama gesammelt. Jede dieser Parzellen ist rund 1.600 Quadratmeter groß. Forscher hatten dort das Wachstum und die Zusammensetzung von Bäumen über Zeiträume von zehn bis 30 Jahren beobachtet. Einige enthielten ausgewachsenen, intakten, in den vergangenen Jahrzehnten nicht von Menschen beeinflussten Wald. Andere erholten sich von Abholzung, Waldbränden oder anderen Schäden

"Jede unserer 76 Parzellen wurde mindestens fünfmal erfasst, wobei bei jeder Erfassung Daten von mehr als 20.000 Bäumen gesammelt wurden", sagt Erstautor Wenguang Tang. Entscheidende Frage für die jetzt in Nature Communications erschienene Studie war: Wie beeinflussen die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor das Wachstum der Bäume?

Düngungs‑Experiment zeigt klare Ergebnisse: Stickstoff beschleunigt die Waldregeneration deutlich

Ein etwa dreißig Jahre alter Tropenwald: Dank der Markierungen an den Baumstämmen finden Forscher die Bäume wieder und verfolgen ihr Wachstum und ihre Kohlenstoffspeicherung.Bildrechte: Sarah Batterman / Cary Institute of Ecosystem Studies

Dazu wurden die Parzellen in vier Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wurde mit Stickstoff gedüngt, eine weitere erhielt Phosphordünger. Eine dritte erhielt beide Nährstoffe zusätzlich, die vierte wurde nicht gedüngt. Ergebnis: Hatten die Bäume ausreichend Zugang zu Stickstoff im Boden, erholten sie sich in den ersten zehn Jahren doppelt so schnell (95 Prozent) wie Bäume, die ohne Stickstoff auskommen mussten.

In den folgenden zehn Jahren war das Wachstum mit Stickstoff immer noch 48 Prozent stärker. In ausgewachsenem Wald hingegen brachte Stickstoffdüngung kein zusätzliches Wachstum. Auch Phosphordünger hatten entgegen der Erwartung der Forscher keinen signifikanten Effekt.

Naturnahe Lösungen statt Kunstdünger: Wie Gründüngung Regenwälder klimawirksam stärken kann

Die Erkenntnisse seien kein Plädoyer für eine Behandlung von Aufforstungsflächen mit künstlichen Düngern, betonen die Autoren. Denn dabei könne unter anderem das starke Treibhausgas Lachgas freigesetzt werden. Besser sei, die Flächen durch eine sogenannte Gründüngung vorzubereiten. Dabei könnten beispielsweise Bohnen angepflanzt werden, die Stickstoff im Boden binden, bevor neuer Wald gepflanzt werde.

Wie häufig nachwachsender Regenwald zu wenig Stickstoff für optimales Wachstum hat, ist zwar nicht genau bekannt. Aber die Forschenden schätzen, dass eine bessere Stickstoffversorgung dafür sorgen könnte, dass Regenwälder im Wachstum zwischen 470 und 840 Millionen Tonnen zusätzliches CO2 pro Jahr aufnehmen können.

Links/Studien

  • Tang, W., Hall, J.S., Phillips, O.L. et al. (2026): Tropical forest carbon sequestration accelerated by nitrogen, Nature Communications

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