- Die Positionen auf europäischer Ebene in der Causa Grönland sind unterschiedlich. CSU und Grüne plädieren für eine Kombination aus Deeskalation und Stärke.
- AfD und BSW monieren, dass die EU den Ambitionen der Großmächte faktisch wenig entgegenzusetzen hat.
- FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann betont, dass sich die NATO nur im Verbund in der Arktis behaupten kann.
Für Manfred Weber, Partei- und Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, zählt vor allem ein starkes, gemeinsames Auftreten der EU.
Mischung aus Deeskalation und Selbstbewusstsein entscheidend
In der ZDF-Sendung Markus Lanz sagte der CSU-Politiker: "Ich habe mich persönlich gefreut, dass viele EU-Staats- und Regierungschefs sich klar positioniert und Trump gesagt haben: Wenn Grönland etwas passieren sollte, nicht im Dialog, sondern militärisch, dann ist das das Ende der NATO. Wir müssen auch gegenüber Amerika Selbstbewusstsein zeigen." Auch Amerika brauche Europa bei vielen Themen, "obwohl wir nicht so stark sind, wie wir sein sollten", sagt Weber.
Für die grüne Europaabgeordnete Anna Cavazini gibt es nur eine mögliche Strategie der EU: "Kern der europäischen Strategie ist es, die Lage nicht weiter zu eskalieren, Ruhe zu bewahren und sich nicht von jeder Äußerung von Trump provozieren zu lassen. Nicht verbal und erst recht nicht militärisch. Dann würden wir genau tun, was Trump beabsichtigt."
AfD und BSW: Europa ist geopolitischer Scheinriese
Der Leipziger AfD-Politiker Siegbert Droese, der auch im EU-Parlament sitzt, ist skeptisch, ob die EU-Länder gegen Trumps Grönland-Ambitionen überhaupt etwas ausrichten können: "Die Europäische Union verfügt weder über militärische noch diplomatische Hebel, die Washington wirklich beeindrucken würden. Entsprechend hört man aus Brüssel auch nur allgemein politische Bekundungen: Völkerrecht, Solidarität mit Dänemark, bla, bla, bla." Wenn es ernst werde, könnte Brüssel nichts tun, "außer ein bisschen mit der Fahne wedeln". Das zeige deutlich, welch geopolitischer Scheinriese die EU sei.
So sieht es auch Michael von der Schulenburg, der für das BSW im EU-Parlament sitzt. Schriftlich teilte er auf eine Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass er glaube, dass die außenpolitische Position der Europäer schwach sei.
Strack-Zimmermann: NATO nur gemeinsam gegen Russen und Chinesen stark
Dagegen findet Marie Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament, dass Grönland kein EU- sondern ein Nato-Thema sei. Deshalb müssten jetzt Lösungen im NATO-Bündnis im Vordergrund stehen, so die FDP-Politikerin: "Die Gefahr, die die Amerikaner sehen, ist objektiv richtig. Die Russen und die Chinesen können in den Nordatlantik reinkommen. Klug wäre es, Trump anzubieten, einen NATO-Stützpunkt aufzumachen, dass sich sozusagen alle in Gänze darum kümmern." Sie gehe davon aus, dass darüber gesprochen werde. Doch es gebe ein Aber: "Bei Trump wissen Sie nie, was Sache ist."
Auf die Frage nach einer gemeinsamen Strategie der EU mit Blick auf die Situation in Grönland angesprochen, fallen die Antworten so unterschiedlich aus, dass es offenbar keine gemeinsame Strategie gibt.
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