Superzellen zählen zu den zerstörerischsten Gewittern, die in Europa auftreten können. Sie entstehen, wenn aufsteigende warme, feuchte Luft in Rotation gerät – und bringen dann außer Blitz und Donner häufig auch Hagel, Sturm und Starkregen mit sich. Obwohl sie nur einen kleinen Teil aller Gewitter ausmachen, verursachen sie einen Großteil der wetterbedingten Schäden: Sachschäden, Ernteverluste, Verkehrsprobleme, Verletzungen oder sogar Todesfälle. "Das zeigt, wie wichtig es ist, Superzellen-Gewitter systematisch in Wetterrisikobewertungen und Katastrophenschutzstrategien einzubeziehen", sagt Monika Feldmann, Autorin einer neuen Studie über Superzellen.

Eine Forschungsgruppe der Universität Bern und der ETH Zürich hat dafür ein Simulationsmodell mit bisher unerreichter Genauigkeit erstellt. Mit einer räumlichen Auflösung von 2,2 Kilometern konnten einzelne Gewitterzellen detailliert nachgebildet werden. "Die Simulation stimmt gut mit der Realität überein, zeigt jedoch etwas weniger Gewitter an als tatsächlich registriert", sagt Feldmann und erklärt, warum: "Das Modell kann nur Superzellen-Gewitter darstellen, die eine Ausdehnung von mehr als 2.2 Kilometern aufweisen und länger dauern als eine Stunde. Manche Stürme sind aber kleiner und dauern weniger lang."

Alpenraum ist Hotspot, mehr Superzellen-Gewitter in Mitteleuropa

Besonders auffällig ist die Häufung von Superzellen im Alpenraum. Schon heute treten dort die meisten solcher Gewitter auf: pro Saison etwa 38 auf der Nordseite und etwa 61 auf der Südseite der Alpen. Stärker vom Klimawandel betroffen wäre laut Studie aber der Alpen-Nordrand. Bei einer globalen Erwärmung von drei Grad Celsius würde dort die Häufigkeit von Gewitter-Superzellen um bis zu 52 Prozent zunehmen, südlich um bis zu 36 Prozent.

Insgesamt gäbe es dann in Europa laut Studie etwa elf Prozent mehr Superzellen-Gewitter. Aber eben völlig unterschiedlich von Region zu Region. Während Mittel- und Osteuropa eine starke Zunahme verzeichnen, würden sich im Südwesten Frankreichs und auf der Iberischen Halbinsel weniger Superzellen bilden als bisher üblich. "Diese regionalen Unterschiede machen deutlich, wie unterschiedlich sich der Klimawandel in Europa auswirken kann", sagt Monika Feldmann.

Die Zunahme von Superzellen-Gewittern stellt die Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen, weil die potenziellen Schäden an Infrastruktur, Landwirtschaft und privatem Eigentum steigen, sagt die Forscherin. Zudem sei auch die Bevölkerung stärker gefährdet. "Je besser wir verstehen, unter welchen Umständen diese Stürme entstehen, desto besser können wir uns dagegen wappnen", so Feldmann.

Links / Studien

M. Feldmann et al. (2025): "European supercell thunderstorms—A prevalent current threat and an increasing future hazard", Science Advances

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