Der Schädel eines Homininen der Gattung Paranthropus.Bildrechte: IMAGO / Kena ImagesPaläontologen gaben ihm wegen seiner auffallend großen Kiefer und Backenzähne den Spitznamen "Nussknacker-Mann". Dazu passen seine extrem großen Wangenknochen und ein Kamm auf dem Hirnschädel, der auf besonders starke Kaumuskeln hindeutet. Lange Zeit wurde aufgrund dieser Merkmale vermutet, dass es sich bei Paranthropus, so der wissenschaftliche Name des Homininen, um einen Nahrungsspezialisten für zähe, pflanzliche Kost handelte. Die Fachwelt ging deshalb jahrzehntelang davon aus, dass die Lebensräume des Paranthropus durch das für ihn passende Nahrungsangebot begrenzt waren. Und in der Tat wurden die 2,8 bis 1,4 Millionen Jahre alten Fossilien des "Nussknacker-Manns" bislang nur in Teilen Südafrikas und des südlichen Ostafrikas gefunden.
1.000 Kilometer weiter nördlich als angenommen
Mehrere Ansichten des neu entdeckten Paranthropus-Unterkiefers.Bildrechte: Alemseged Research GroupEin internationales Forscherteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA) in Leipzig entdeckte nun jedoch in der Afar-Senke im Nordosten Äthiopiens ein 2,6 Millionen Jahre altes Paranthropus-Fossil. Das ist 1.000 Kilometer weiter nördlich als alle bisherigen Fossilien-Funde zu dieser Homininen-Gattung. Die Afar-Senke ist das Gebiet, in dem 1974 das 3,2 Millionen Jahre alte Australopithecus-Weibchen "Lucy" entdeckt wurde. Nach Ansicht der Paläontologen deutet der jetzige Paranthropus-Fund darauf hin, dass dieser ungewöhnliche Zweig unserer frühen Verwandten viel weiter verbreitet war als bislang angenommen wurde. Und es legt nahe, dass Paranthropus viel flexibler in seiner Ernährung und auch anpassungsfähiger an eine Vielzahl von Umweltbedigungen war, als man bislang vermutet hat.
2,6 Millionen Jahre alter Unterkiefer
Nachbildung eines Paranthropus boisei im Museo de la evolucin humana in Burgos in Spanien.Bildrechte: IMAGO / Pond5 BilderWie Fred Spoor, Forscher am MPI EVA in Leipzig und Paläontologe am Natural History Museum in London, sagt, war Paranthropus trotz jahrzehntelanger Forschung in der Afar-Region bislang unbekannt. Man habe deshalb angenommen, dass er sich aufgrund ökologischer Faktoren oder wegen anderer in der Gegend lebender Konkurrenten nicht so weit nach Norden ausbreitete. "Die neue Entdeckung deutet nun auf etwas anderes hin. Und das angenommene Fehlen war das Ergebnis eines unvollständigen Fossilienbestands", erklärt der Paläontologie-Professor.
Bei dem von einem Team unter der Leitung von Professor Zeresenay Alemseged von der University of Chicago in der Afar-Senke entdeckten Fossil handelt es sich konkret um den Unterkiefer eines Paranthropus. Geologische Untersuchungen zeigten, dass das Fundstück 2,6 Millionen Jahre alt ist. Es ist damit eines der ältesten Paranthropus-Fossilien überhaupt.
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(dn)
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