Eine bahnbrechende wie zugleich gruslige Entdeckung hält die archäologische Fachwelt in Atem. Im Norden des zentralafrikanischen Malawi hat ein internationales Team Afrikas ältesten Scheiterhaufen entdeckt. Vor 9.500 Jahren äscherte am Fuße des markanten Mount Hora eine Gemeinschaft von Jägern und Sammlern eine kleine Frau auf einem offenen Scheiterhaufen ein. Es sind die frühesten Belege einer absichtlichen Einäscherung eines Menschen in Afrika. Die analysierten Knochenfragmente deuten auf eine knapp unter 1,50 Meter große Frau von 18 bis 60 Jahren hin. Die Muster der thermischen Veränderungen ihrer Knochen lassen auf eine Verbrennung kurz nach ihrem Tod schließen.
Entfleischt und geköpft
Eine Darstellung des Scheiterhaufens am Mount Hora vor 9.500 Jahren.Bildrechte: Patrick FahyAllerdings wurde die Tote nicht im Ganzen eingeäschert. Schnittspuren an mehreren Gliedmaßen-Knochen deuten darauf hin, dass Teile ihres Körpers entfleischt oder sogar komplett entfernt wurden. Zudem fanden die Forscher keinerlei Fragmente von Zähnen oder Schädelknochen im Scheiterhaufen. Sie gehen deshalb davon aus, dass der Kopf der Toten vor dem Verbrennen ebenfalls entfernt wurde. Was für uns heutzutage extrem grausam erscheint, ist nach Ansicht der Forscher ein Hinweis darauf, dass der ganze Fall eher etwas mit Erinnerung, sozialem Gedächtnis und Ahnenverehrung zu tun haben könnte. "Unter alten Jägern und Sammlern in Malawi gibt es immer mehr Belege für Bestattungsrituale, die posthume Entfernung, Pflege und sekundäre Wiederbestattung von Körperteilen umfassen, vielleicht als Symbole", erklärt die Anthropologin Jessica Cerezo-Román von der University of Oklahoma.
Einzige Einäscherung in 8.000 Jahren
Frühere Forschungen seit den 1950er-Jahren hatten ergeben, dass die Stätte am Fuße des Granit-Inselbergs Mount Hora zwischen etwa 16.000 und 8.000 Jahren für Bestattungen benutzt wurde. Alle Menschen wurden dabei vollständig in Ganzkörpergräbern beigesetzt. Alle, bis auf eine. Warum die kleine Frau vor 9.500 Jahren als einzige eingeäschert wurde, bleibt unklar. "Es muss etwas Bestimmtes an ihr gegeben haben, das eine Sonderbehandlung rechtfertigte", erklärt Studienleiterin Jessica Thompson von der Yale University. Einäscherungen seien bei Jäger und Sammler-Gemeinschaften sehr selten, "weil Scheiterhaufen enorm viel Arbeit, Zeit und Brennstoff erfordern, um einen Körper in fragmentierten und verkohlten Knochen und Asche zu verwandeln".
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(dn)
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