Inhalt des Artikels:
- Woher die Elche kommen
- Warum Elche aus Polen nach Deutschland kommen
- Die Wanderroute der Elche
- Wildkorridore
Ob im Erzgebirge, bei Görlitz, im weiteren Umland von Leipzig oder im Landkreis Anhalt-Bitterfeld: Immer wieder reiben sich in Sachsen und Sachsen-Anhalt Menschen die Augen, wenn sie einen Elch sehen. Diese großen Tiere erblickt man, wenn überhaupt, nur von Weitem, wenn sie über Felder oder durch Wälder laufen.
In Brandenburg musste sich eine Kuhherde in der Brunftzeit mit Dauergast "Bert", einem einzelnen Elchbullen, abfinden. Landwirt Ralf Engelhardt berichtet von dessen Annäherungsversuchen und dass die Kühe vor "Bert" flüchten: "Er sucht sich eine Lieblingskuh aus und dann läuft er ihr den ganzen lieben Tag lang hinterher, wenn er so richtig rauschig ist. Ob die Kuh jetzt ein Kalb hat oder nicht."
Elch "Bert" hat schon vor Jahren von Wildbiologen der Eberswalder Hochschule einen GPS-Sender verpasst bekommen. Damit konnten sie nachweisen, dass das Tier in Brandenburg sesshaft geworden ist.
In Brandenburg versucht ein alleinstehender Elch seit einiger Zeit bei Kühen zu landen. Bislang ohne Erfolg.Bildrechte: J. Michael SchumacherWoher die Elche kommen
Doch wo kommen die Tiere her, die eigentlich seit dem Mittelalter aus unseren Breiten verschwunden sind? Die Antwort lautet – aus Polen. Tomasz Borowik von der polnischen Akademie der Wissenschaften erforscht nahe der Grenze zu Belarus den Elchbestand im Nordosten Polens. Lange waren sie nur in den Sümpfen und Wäldern der Region heimisch. Jetzt aber ändere sich das, sagt Biologe Borowik: "Sie gehen nach Westen und Süden. Es gibt heute Elche an Orten, wo man sie nie zuvor gesehen hat. Ihre Zahl wird in Polen aktuell auf über 25.000 geschätzt." Er gehe davon aus, dass die Elche noch weiter nach Westen ziehen werden, etwa in den Osten Deutschlands.
Dr. Thomasz Borowik, Direktor am Säugetierforschungsinstitut der Polnischen Akademie der Wissenschaften, erforscht, wie sich der Bestand der Elche in den letzten Jahren verändert hat. Bildrechte: J. Michael SchumacherWarum Elche aus Polen nach Deutschland kommen
Eigentlich seien die Elche über Jahrzehnte ortstreu gewesen, sagt Borowik. Erst wanderte ein Teil von ihnen saisonal. Die Winter verbrachten sie in den Wäldern, die Sommer in den Sümpfen. Aber inzwischen ziehen viele Elche auch weiter, weil die Feuchtgebiete, in die sich die Tiere normalerweise in heißen Sommern zurückziehen, immer stärker austrocknen.
Wenn sie weiterwandern, gehen die Elche mittlerweile nach Westen, denn das ist ihre einzige Option. Im Norden liegt die Ostsee, im Osten hält sie die immer stärker befestigte Grenze zu Belarus auf und im Süden wird es naturgemäß noch wärmer. Da bleibt nur der Westen. Ob das den Elchen langfristig hilft, zu überleben, da ist sich Biologe Borowik nicht sicher: "Wir wissen nicht, was künftig mit der Art passiert, wenn Elche weiter nach Westen wandern. Denn der Westen ist auch stark von der Klimaerwärmung betroffen." Die Elche machen sich trotzdem auf den Weg.
Die Wanderroute der Elche
Auf ihren Wanderungen kommt den Elchen häufig die Zivilisation in die Quere. In Danzig und Warschau sind überraschende Besuche der stattlichen Tiere keine Seltenheit. Sie tauchen am helllichten Tag an Bushaltestellen auf, trotten über Straßen und verirren sich in Supermärkte.
Wildkorridore
Bevor Elche direkt in die Stadt kommen, treffen sie häufig schon auf Schnellstraßen, dann wird es für Tier und Mensch gefährlich. Damit sich Elche zwischen vorher isolierten Lebensräumen bewegen können, hat man an manchen Stellen schon Grünbrücken über Schnellstraßen angelegt. Damit Elche auch Gegenden erreichen, in die sie vorher nicht sicher gelangen konnten und in denen sie sich potentiell ansiedeln können, brauche es Wildkorridore, sagen Experten.
Grünbrücke über der S7, der Hauptverkehrsachse von Warschau nach Danzig.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKDer Nordrand des Stettiner Haffs an der Ostsee ist so ein Korridor. Marek Dylawerski vom dortigen Nationalpark beobachtet, wie sich dieser Wildkorridor gerade wieder belebt. "Viele Jahre gab es keine Elche. Nur weit weg im Osten. Heute überqueren sie die Weichsel von Süden her und das Haff und wandern zu ihren Freunden in Deutschland."
Ein Elch schwimmt durch die Weichsel.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKBisher kommen die Elche noch einzeln, sei es über die Oder, die Elbe oder andere Übergänge aus Polen und Tschechien. Meist sind es wie Bert junge, männliche Tiere. Hält der Trend weiter an und es kommen mehr von ihnen in unseren Breiten an – dann findet vielleicht auch Elch Bert eine Partnerin.
MDR (voq)
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