Die Leipziger Buchmesse ist der traditionelle Start in den Bücherfrühling, und der Preis der Leipziger Buchmesse wirft ein Schlaglicht auf die mutmaßlichen Hits. Jetzt hat die Jury die 15 Werke bekannt gegeben, die in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung herausragend sind.

Pro Sparte sind fünf Bücher nominiert:

Belletristik

Helene Bukowski: „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ (Claassen, 26.02.2026)*

Norbert Gstrein: „Im ersten Licht“ (Hanser, 17.02.2026)*

Anja Kampmann: „Die Wut ist ein heller Stern“ (Hanser, 19.08.2025)*

Katerina Poladjan: „Goldstrand“ (S. Fischer, 27.08.2025)*

Elli Unruh: „Fische im Trüben“ (Transit, 01.09.2025)*

Sachbuch/Essayistik

Marie-Janine Calic: „Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ (C.H. Beck, 15.10.2025)*

Ines Geipel: „Landschaft ohne Zeugen. Buchenwald und der Riss der Erinnerung“ (S. Fischer, 11.03.2026)*

Jan Jekal: „Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten. 1941–1953“ (Matthes & Seitz Berlin, 26.02.2026)*

Ulli Lust: „Die Frau als Mensch: Schamaninnen“ (Reprodukt, 09.02.2026)*

Manfred Pfister: „Englische Renaissance“ (Galiani Berlin, 09.10.2025)*

Übersetzung

Ulrich Faure übersetzte aus dem Niederländischen „Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje (Friedenauer Presse, 28.08.2025)*

Tina Flecken übersetzte aus dem Isländischen „Eden“ von Auður Ava Ólafsdóttir (Insel, 28.10.2025)*

Manfred Gmeiner übersetzte aus dem Spanischen „Unten leben“ von Gustavo Faverón Patriau (Droschl, 22.08.2025)*

Timea Tankó übersetzte aus dem Ungarischen „Die Aussiedlung“ von András Visky (Suhrkamp, 28.10.2025)*

Petra Zickmann übersetzte aus dem Katalanischen „Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis“ von Irene Solà (S. Fischer, 27.08.2025)*

Wie immer ist es ein Kritikersport, zu fragen: Was sagt die Liste über unseren Zeitgeist aus? Wovon wird erzählt? Was sind die Trends?

Weil die Buchgattung Sachbuch – jenseits des Deutschen Sachbuchpreises – viel zu selten im Rampenlicht steht, konzentrieren wir uns an dieser Stelle darauf, denn die diesjährige Leipziger Sachbuch-Auswahl ist zum einen politisch: Die Publizistin Ines Geipel widmet sich in „Landschaft ohne Zeugen“ einem wichtigen Thema der DDR-Aufarbeitung, nämlich der Frage nach den genauen Abläufen bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und welche Narrative sich vonseiten der DDR darüber gelegt haben. Geipel, so die Jury, breche hier „Gedächtnisbeton“ auf, der die Kulturen des Erinnerns und Verschweigens in Ostdeutschland bis heute prägt.

Zum anderen setzt sich bei den nominierten Sachbüchern der Trend zum reportagenhaften Erzählen von kulturgeschichtlichen Episoden und Epochen fort, der in den vergangenen Jahren mit Büchern von Florian Illies und Uwe Wittstock große Erfolge gefeiert hat. Mit den Jekal zu Exilanten der Filmbranche* (Matthes & Seitz) und Calic zu Fluchtgeschichten auf dem Balkan* (im Verlag C.H. Beck) und stehen gleich zwei Bücher dieser Machart auf der Liste. Auch Uwe Neumahrs „Die Buchhandlung der Exilanten“ (ebenfalls C.H. Beck) hätte eine Nominierung verdient gehabt, aber jedes Fünfer-Portfolio ist nun mal endlich. Zumal wenn man auch noch einen klassischen Bildungs-Folianten empfehlen will: Manfred Pfisters „Englische Renaissance“ reiht sich ein in eine ganze Serie von dickleibigen Büchern, die der Galiani-Verlag seit Jahren publiziert. Bildung in XL macht eben noch immer Eindruck, verspricht ein ganzes Universum.

Längst ein Genre für sich sind die gezeichneten Sachbücher der aus Österreich stammenden Künstlerin Ulli Lust. Sie hat mit ihrem Steinzeit-Comic „Die Frau als Mensch“ 2025 den Deutschen Sachbuchpreis gewonnen. Nun erscheint der Fortsetzungsband: „Die Frau als Mensch 2: Die Schamaninnen“. Diese Nominierung, so hochverdient sie für die Autorin sein mag, fällt in Sachen Originalität ein wenig ab, zeigt aber, dass sich der Trend zum nicht nur geschriebenen, sondern auch gezeichneten Sachbuch fortsetzt.

Auch in der Sparte der Übersetzungen gibt es viel Zeitgeschichte zu entdecken. „Die Aussiedlung“ von András Visky, aus dem Ungarischen übertragen von Timea Tankó, wurde jüngst von der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller gelobt. Und Ulrich Faure ist seit Jahren einer der versiertesten Übersetzer aus dem Niederländischen.

Preisverleihung am 19. März

Die drei Gewinnerbücher aus den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung werden am 19. März 2026 in einer „Show“ in der Glashalle der Leipziger Messe verkündet. Zur siebenköpfigen Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse gehören Katrin Schumacher (Juryvorsitzende), Zita Bereuter, Kais Harrabi, Katharina Herrmann, Thomas Hummitzsch, Tilman Spreckelsen und Judith von Sternburg. Sie alle haben die 485 Bücher gesichtet, die 177 Verlage aus dem deutschsprachigen Raum zur Begutachtung eingereicht haben.

Die Leipziger Buchmesse ist das große Branchen-Event der Saison und bietet zusammen mit dem Lesefestival „Leipzig liest“ viele Möglichkeiten, Bücher zu entdecken und Autoren zu treffen. Kürzlich wurde bekannt, dass der geplante Auftritt des AfD-Politikers Maximilian Krah seitens der Messe abgesagt wurde. Lesen Sie hier unseren Kommentar dazu.

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