- 4 von 5 Punkten
- Ein Märchen als Krimi: Ungewöhnlicher Gruselfilm über eine Familie im Schwarzwald
Worum geht's in diesem "Tatort"?
Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) will nur in Ruhe seine Brötchen kaufen, als die Bäckerin ihn um einen Gefallen bittet. Ihre Angestellte Valea Baciu (Viorica Prepelita) sei nicht zur Arbeit erschienen. Er möge bei ihr zu Hause vorbeischauen, ob alles in Ordnung sei. Baciu lebt mit ihrer Familie in einem entlegenen Haus am Waldrand. Als Berg dort ankommt, hört er das Weinen und Wimmern eines Kindes. Der Kommissar steigt übers Kellerfenster ein und stößt auf ein völlig verängstigtes Mädchen: Bacius Tochter Eliza (Hanna Heckt). Die Schülerin hat sich im Uhrenkasten versteckt – so wie das jüngste Geißlein im Märchen der Gebrüder Grimm. Von Elizas Mutter fehlt jede Spur und auch ihr Stiefvater wird vermisst. Dass in dem Haus etwas Furchtbares geschehen sein muss, wird den Ermittlern klar, als sie großflächige Blutspuren entdecken. Bergs Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau) übernimmt den Fall und will Eliza als Zeugin befragen. Ihre Erkrankung wird dabei zur Herausforderung: Eliza leidet an Mutismus und spricht mit niemandem außerhalb ihrer Familie. Eine der Wenigen, die Zugang zu ihr hat, ist die Psychologin Dr. Evelyn Kaltenstein (Mina Tander). Doch die blockiert die Ermittlungen und scheint eigene Ziele zu verfolgen.

Tatort Morde für Millionen
Warum lohnt sich der Fall "Das jüngste Geißlein"?
"Der Wald steht schwarz und schweiget / Und aus den Wiesen steiget / Der weiße Nebel wunderbar", heißt es in einem bekannten Gedicht von Matthias Claudius. In diesem Film ist gar nichts wunderbar, sondern richtig unheimlich – und das ist gut so. Schon lange gab es keinen so gruseligen "Tatort" mehr. Düstere Wälder, dicke Nebelschwaden, plötzlich auftauchende Gestalten: Der Film fährt die ganze Klaviatur der Gruselästhetik auf. Bedrohliche Musik und unheimliche Geräusche – etwa der heulende Wind, quietschende Türen oder knarrende Balken – sorgen zusätzlich für Gänsehaut. Dass sich die Macher (Drehbuch: Ulrike Schölles, Rudi Gaul, Regie: Rudi Gaul) dabei offensichtlich von einigen der legendärsten Horrorszenen inspirieren ließen – geschenkt! Die Duschszene aus "Psycho", die unheimlichen "Shining"-Zwillinge oder in Weiß gekleidete Mädchen wie im Schocker "The Ring", jagen dem Zuschauer auch im "Tatort" einen Schauer über den Rücken. Ein Krimi mit Hochspannung – auch weil der Fall am Ende eine verstörende Wendung nimmt.
Was stört?
Der Film dürfte auf geteilte Meinungen stoßen. Die einen werden sagen: "Was für ein Humbug!", die anderen: "Endlich mal wieder ein richtig schauriger Krimi". Wer sich nicht auf die Gedankenwelt der kleinen Eliza einlassen kann – das Mädchen lebt komplett in der Welt des Märchens "Der Wolf und die sieben Geißlein" – wird wenig Freude an diesem "Tatort" haben.
Die Kommissare?
Der Fall knüpft mehr oder weniger an den letzten "Freiburg"-Tatort an, der Mitte November ausgestrahlt wurde. Nach dem Tod seines Bruders Reini und einer internen Ermittlung, ist Friedemann Berg vom Dienst freigestellt. So ganz kommt er aus der Rolle des Kommissars aber nicht heraus. Er stellt eigene Nachforschungen an und auch seine Kollegin Franziska Tobler ist auf seine Hilfe angewiesen. Berg war als Erster am Tatort und hat Eliza aus dem Uhrenkasten befreit. Aus diesem Grund fasst das Mädchen Vertrauen zu ihm. Das Verhältnis zwischen Tobler und Berg ist hingegen weiterhin angeknackst. Seit sie Interesse am Posten als Abteilungsleiterin hegt, herrscht zwischen den einst guten Kollegen dicke Luft. "Wir sind kein Team mehr", herrscht Berg seine frühere Partnerin in einer Szene an.
Ein- oder ausschalten?
Achtung, es wird schaurig! Wer schreckhaft ist, sollte den Film nicht anschauen – oder zumindest nicht alleine im Dunkeln.
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