VW ist in Brasilien wegen sklavenähnlicher Arbeit während der Militärdiktatur zu einer Millionenstrafe verurteilt worden - und muss sich bei Betroffenen entschuldigen. Das Unternehmen kündigte Berufung an.

Mehr als 40 Jahre lang musste Pedro Pereira Vasconcelos auf Gerechtigkeit warten. Dafür, was er und Dutzende andere brasilianische Arbeiter auf einer Farm am Amazonas erlitten haben, die einem der größten deutschen Unternehmen gehörte: einer Tochterfirma des Autobauers VW.

"Diese Typen sind Banditen", sagt Vasconcelos. "Das ist die Wahrheit. Die haben uns misshandelt, uns um den Lohn betrogen. Von frühmorgens bis spät in die Nacht mussten wir arbeiten. Sie haben uns Pistoleiros - bewaffnete Wächter - geschickt. Wer weglief, konnte erschossen werden, wurde in den Fluss geworfen. Das war hart", berichtet der heute 60-Jährige über jene Monate im Jahr 1983, als er auf der Farm "Vale do Rio Cristalino" als Tagelöhner arbeitete.

Vorwürfe des Mordes und der Folter

Hunderte Arbeiter wurden in den 70er- und 80er-Jahren auf einer von VW betriebenen Fazenda entwürdigenden Arbeitsbedingungen, Schuldknechtschaft und bewaffneter Überwachung ausgesetzt. Das befand nun ein Arbeitsgericht, das 2019 Ermittlungen aufnahm, nachdem es Unterlagen von Pater Ricardo Rezende Figueira zusammengetragen hatte.

Er arbeitete für die Kommission der Landpastoral (CPT). Der Konzern habe große Flächen von Regenwald zerstört, sagt Rezende Figueira - und die Abholzung in dem Gebiet dauere an. Volkswagen habe gegen das Arbeitsrecht verstoßen. "Es gibt Vorwürfe des Mordes und der Folter auf der Farm. Sie setzten Minderjährige ein und drangen in indigenes Land ein", so Rezende Figueira.

VW soll 26 Millionen Euro Strafe zahlen

Das Arbeitsgericht verurteilte "Volkswagen do Brasil" - die brasilianische Tochterfirma des deutschen Autobauers - nun wegen Sklavenarbeit zu Schadensersatz über 165 Millionen Reais - rund 26 Millionen Euro. Es ist die höchste Geldstrafe, die in Brasiliens jemals für Fälle moderner Sklaverei verhängt wurde.

Der zuständige Staatsanwalt Rafael Garcia spricht von einem historischen Tag: Nach so vielen Jahren müsse eines der größten Unternehmen der Welt Verantwortung übernehmen für die "erniedrigenden Menschenrechtsverletzungen", die es begangen habe: Arbeiter Sklaverei-ähnlichen Bedingungen auszusetzen, den Amazonas-Regenwald zu zerstören und die Würde der Arbeiter mit Füßen zu treten.

Zusätzlich zum Schadensersatz fordert das Urteil, dass das Unternehmen öffentlich seine Verantwortung anerkennen und sich bei den betroffenen Arbeitern und der gesamten brasilianischen Gesellschaft entschuldigen muss.

"VW hält sich strikt an alle Gesetze"

VW kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Der Autobauer teilte auf Anfrage der ARD schriftlich mit:

Die "Companhia Vale do Rio Cristalino" im brasilianischen Bundesstaat Pará sollte der Einstieg des Autobauers ins Fleischgeschäft sein - auf Einladung der brasilianischen Militärdiktatur, die Steuererleichterungen anbot.

Pater Rezende Figueira, der damals für die Landpastoral arbeitete und Unterlagen über die Vergehen sammelte, sagt heute, die Verbrechen während der Militärdiktatur und die freizügigen Beziehungen zwischen Großkonzernen und der Militärregierung dürften nicht vergessen werden, sonst wiederholten sie sich.

"Wir werden weiterkämpfen"

Es sei wichtig, diese Verbrechen irgendwie wiedergutzumachen, sagt Rezende Figueira. Natürlich könne das nur symbolisch sein. "Jemand, der wegen Volkswagen ein Kind verloren hat, der bei Volkswagen gefoltert wurde, der diesen Erniedrigungen, der Erschöpfung, den Drohungen ausgesetzt war, wird keine volle Entschädigung erhalten." Man könne das Geschehene nicht ungeschehen machen, aber man erkenne es zumindest an.

Pedro Pereira Vasconselos, der frühere Arbeiter auf der VW-Farm, sagt: "Wir haben lange gewartet, einige der Opfer sind bereits gestorben, wir werden weiterkämpfen." Er ist davon überzeugt, dass auch eine höhere Instanz VW für schuldig befinden wird.

Anne Herrberg, ARD Rio de Janeiro, tagesschau, 30.08.2025 08:52 Uhr

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