Die Gil Ofarims dieser Welt sind überall. Sie sitzen neben dir im Büro. Vielleicht verdienen sie das Dreifache, aber lassen die Arbeit heimlich von einer KI erledigen. Sie liegen neben dir im Bett. Vielleicht wollen sie sich verloben, führen aber seit zwei Jahren ein Doppelleben. Sie checken bei dir im Hotel ein. Und vielleicht bist du, ehe du weißt, wie dir geschieht, Teil ihrer Lügengeschichte.
Als Täter sehen sie sich nie. Ignorieren ist unmöglich. Dafür richtet das, was sie tun, zu großen Schaden an. Das schwerwiegendste Problem dabei ist nicht, dass sie Fehler begehen. Es ist die Verweigerung, sie sich einzugestehen. Die Frage bleibt, wie sehr wir noch bereit sind, ihnen zu geben, wonach sie gieren: Aufmerksamkeit. Und wann es an der Zeit ist, loszulassen – an dieser Stelle bitte eine dramatische Haar-wegstreich-Geste von Ofarim vorstellen.
Was würde geschehen, wenn wir den Gil Ofarims dieser Welt keine Beachtung mehr schenken würden – und stattdessen jeder von uns die Ariel in sich herausließe? Jetzt mal abgesehen von der Tinnitus-Gefahr?
Gil Ofarim vs. Ariel: Posend vs. polternd
Dschungelcamp-Kandidatin Ariel ist das Gegenteil von Gil Ofarim. Barsch statt Bariton, direkt statt doppelmoralisch, polternd statt posend. Ein Mensch, dem kein schöner Schein imponiert, wenn sich darunter nicht viel verbirgt. Die 22-jährige Trash-TV-Darstellerin hatte den Musiker sofort durchschaut. Hinter Ofarims demonstrativer Ruhe witterte sie Taktik statt Freundlichkeit.
„G – das G steht für gelogen!“, rief sie im Camp, als Ofarim meinte, er dürfe wegen einer Verschwiegenheitsklausel nicht über den Vorfall sprechen. Über den Antisemitismus-Skandal, in dem er einem Hotelmitarbeiter vorwarf, ihn wegen seiner Davidsternkette diskriminiert zu haben – eine Lüge, wie er später zugab. Tatsächlich hatte er eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Die hätte es ihm aber durchaus erlaubt, einen Satz zu sagen wie „Ich bereue, was ich getan habe.“ Viel mehr wollte Ariel gar nicht. Doch er sagte ihn nicht.
Auch dann nicht, als Ariel nicht lockerließ, sich wie eine Bulldogge verbal in ihn verbiss. Das war anstrengend mitanzusehen, vor allem mitanzuhören. Weil Ariel laut ist, unbequem, frech. Man kann das als respektlos empfinden. Oder als mutig ohne Angst vor Konsequenzen. Dabei nutzte sie, dass sie unterschätzt wird. „Mäusele, wie alt bist du?“, fragte Ofarim sie, als er nicht fassen konnte, dass sie nicht seine berufliche Erfolgsgeschichte kannte. Die scheint für ihn mindestens Schulstoff-Relevanz zu besitzen.
Sei wie Ariel – bevor der Falsche gekrönt wird
Ariel interessieren andere Dinge. Ofarims Entschuldigung zum Beispiel. Seine komplexen Ausreden reduzierte sie auf die simple Frage: „Hast du Reue?“ Indem sie ihr Anliegen immer und immer wiederholte, zeigte sie ganz deutlich: Er beantwortet diese Frage nicht. Und das ist auch eine Antwort.
Auch Ariel wird sich überlegt haben, wie sie die Show gewinnen kann. Der große Unterschied ist: Ariel spielte das Spiel mit Verantwortung. Ofarim entzog sich dem Spiel und seiner Verantwortung. Ariel schreit, was sie denkt. Gil schweigt. Bei Ariel weiß jeder, woran er ist. Gil, das schlussfolgerte auch Frauke Ludowig nach einem 50-minütigen Interview mit dem Dschungelkönig, weiß wahrscheinlich nicht einmal selbst, wer er ist.
Bevor die Falschen gekrönt werden, sollten wir mehr wie Ariel sein. Den Finger auf Missstände richten, wenn es sonst keiner tut. Den inneren Bullshit-Detektor anwerfen, mehr auf Fakten schauen als auf Worte. Und wenn es nötig ist, das aussprechen, was sich andere nur zu denken trauen.
Das ist meistens unangenehm. Aber lieber unangenehme Momente als gilogene Jahre.
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