Statt des Piloten meldet sich ein Señor Dunga aus dem Cockpit und erklärt den 120 Passagieren, dass ihr Inlandsflug nach New Orleans von ihm außerplanmäßig nach Havanna umgeleitet werde. Dunga ist kein schlechter Mensch. Simon & Garfunkel besingen seine sanfte Stimme. „Er möchte sie lebend wieder heimbringen“, versichern sie in ihrer Hymne auf die Luftpiraterie im Kalten Krieg zwischen Amerika und Kuba in den späten 1960er-Jahren. An den Universitäten gilt „Cuba sí, Nixon no!“ als gängige Parole bei Protestumzügen gegen Richard Nixon. Als der US-Präsident ist, macht Paul Simon aus „Cuba Sí, Nixon No“ ein Lied.

Es gibt bekanntere Songs von Simon & Garfunkel. Vorgesehen war er 1970 für ihr Abschiedsalbum „Bridge Over Troubled Water“. Ob die beiden Sänger sich bereits entfremdet hatten oder ob das Duo sich erst während der schwierigen Aufnahmen entzweite, ist unter Musikhistorikern umstritten. Unter Simons Kubalied litt ihre Harmonie, soweit man weiß, erheblich. Für Art Garfunkel war es lyrisch und musikalisch eine Zumutung. Ihm schwebte statt „Cuba Sí, Nixon No“ ein festlicher, bachähnlicher Choral namens „Feuilles-O“ vor. Keines der zwei Stücke fand sich schließlich auf dem Album wieder, dafür aber später in Anthologien und auf Raubkopien von Konzertmitschnitten – was „Cuba Sí, Nixon No“ zum Mythos machte und erst recht zum Klassiker.

Ein Nein zum Präsidenten von Amerika ist kein zwingendes Ja zu Kuba mehr. Aber es wird zwischen den Staaten und Systemen wieder komplizierter. Das auf Donald Trumps Befehl verhängte Öl-Embargo legt das Leben auf der Insel der Revolutionsfolklore lahm – und den gesamten Flugverkehr von und nach Kuba. „Die kubanische Regierung ist am Ende und steht vor dem Kollaps. Da sollte sie sich klug äußern vor dem Präsidenten der Vereinigten Staaten“, sagt die Sprecherin des Weißen Hauses. Auch die Popkultur politisiert sich zusehends, wenn sie sich bei den Grammys selbst feiert als Anti-Trump-Front und beim Super Bowl daran erinnert, dass man in Amerika auch Spanisch spricht.

Politisch waren alle Lieder, die Paul Simon schrieb und sang, wenn sie es überhaupt waren, subtiler als „Cuba Sí, Nixon No“. Es war ihm allerdings auch nie egal, wenn wieder jemand anmerkte, er sei nun einmal kein Bob Dylan. Handelt es sich bei seinem Protestsong um den Nachweis, dass er dazu durchaus fähig ist, oder um eine Parodie der Dylan-Hymne „Señor (Tales of Yankee Power)“?

Was auch immer: „Du weißt, dass Menschen, die Spanisch sprechen, ihre Angelegenheiten auf ihre eigene Art regeln“, singen Paul Simon und Art Garfunkel noch einträchtig für Kuba gegen Nixon. Die Probleme, die sie miteinander haben, lassen sie sich jedenfalls nicht anhören. Gemeinsam machen sie sich über Amerikaner lustig, die sich in Mittelamerika ihre Mägen verderben. „Aber keine Sorge: Hier ist Radio Havanna“, heißt es in „Cuba Sí, Nixon No“.

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