Wie spielt man eine Frau, die vorgibt, ein Mann zu sein? Das war nicht die einzige Herausforderung für Sandra Hüller in "Rose".

Heute Abend feiert die deutsch-österreichische Koproduktion "Rose" ihre Weltpremiere bei der Berlinale. Darin spielt Deutschlands Hollywood-Export Sandra Hüller (47) eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Soldat ausgibt, der nach dem Krieg in einem abgelegenen Dorf einen Neuanfang sucht. In einem Interview mit "The Hollywood Reporter" hat die Schauspielerin über die besonderen Herausforderungen beim Dreh gesprochen.

"Ich wollte auch wissen, ob ich das schaffen könnte"

"Mir gefiel die Idee, jemanden wie sie darzustellen und die Möglichkeit, eine Art Denkmal, ein Andenken an sie, zu schaffen", begründete Hüller ihre Entscheidung für die Rolle. "Ich wollte auch wissen, ob ich das schaffen könnte. Denn ich fand es wirklich herausfordernd, jemanden zu spielen, der sich so verkleidet und diese Lebensgeschichte hat. So etwas hatte ich noch nie zuvor gemacht." Zwar verkörperte sie im Theater schon Männerrollen, doch sei das "etwas anderes als im Film". Denn auf der Bühne sei klar, "dass ich eine Schauspielerin bin, die die Rolle spielt, und man kann sie auf anderen Ebenen angehen als der realistischen, mit der wir es in diesem Film zu tun haben".

Bei "Rose" sei zudem das Leben der Figur in Gefahr, falls ihre Verkleidung entdeckt wird. "Das erzeugt eine andere Spannung und ist eine andere Aufgabe, sowohl physisch als auch mental." Beim Spielen der Rolle hätten ihr die Kostüme von Doris Bartelt "enorm geholfen". Die seien "unglaublich präzise und hilfreich" gewesen, lobte Sandra Hüller. "Sie wirkten wie eine Rüstung."

Bewegen wie ein Mann

Jeden Morgen habe sie viele verschiedene Schichten anziehen müssen, von der Brustbinde über eine Penisprothese bis hin zu einer Polsterung, "die meinen ganzen Körper bedeckte, sodass keine weibliche Form mehr erkennbar war". Das sei ein richtiges "Ritual" gewesen. "Und natürlich half es, mich jeden Morgen von Visagistin Anette Keiser schminken zu lassen, um mein Gesicht zu verwandeln. Ich versuchte auch, eine andere Stabilität, eine andere Ruhe und Konzentration zu finden, um die Angst vor Entdeckung zu verbergen. Das war wohl meine Hauptaufgabe."

Eine Herausforderung war auch, sich als vermeintlicher Mann anders zu bewegen. Es gebe aber nicht eine typische männliche Bewegungsart, und sie habe auch Klischees vermeiden wollen. "Mir ging es eher um Ruhe und Besonnenheit, darum, dass Rose stets ein Gespür für ihre Umgebung hat und weiß, wo Gefahr lauern könnte - abgesehen davon, dass sie traumatisiert ist und Krieg erlebt hat, was ja auch andere Menschen prägt."

Konzentration über lange Drehpause aufrechterhalten

Als schwierig empfand die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin auch eine große Drehpause. Technisch gesehen sei die größte Herausforderung gewesen, "dass wir in zwei Teilen drehten - Frühling und Sommer, dann Winter". Über den langen Zeitraum musste sie den Bezug zur Geschichte behalten und dann wieder einsteigen. "Rose verschließt sich sehr. Nur wenig von dem, was sie bewegt, kommt an die Oberfläche. Diese Konzentration aufrechtzuerhalten, alles in sich zu tragen, so wenig wie möglich durchblicken zu lassen - die Maske, in der sie buchstäblich gefangen ist - das war emotional sehr anstrengend."

Regisseur Markus Schleinzer (54) setzte für den Film, der am 30. April in die deutschen Kinos kommt, zudem auf authentische Kulissen in Deutschland und Österreich. "Natürlich hätte vieles auch im Studio gedreht werden können, aber das wollte er nicht. Er wollte, dass wir tatsächlich an diesem Ort waren und diese Wege entlanggingen. Ihm war wichtig, dass die Scheune wirklich existierte und dass es ein echtes Schwein gab." Alle im Film zu sehenden Tiere seien echt gewesen.

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