Der "Tatort" erzählt einen Kriminalfall um ein entführtes Kind. Eigentlich geht es in Stuttgart um die Frage, was die Sucht nach Aufmerksamkeit mit Menschen macht.
  • 2 von 5 Punkten
  • Tolles Thema, maue Umsetzung

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Einst war Pony Hübner (Kim Riedle) ein gefeiertes It-Girl. Doch jetzt wird sie auf der Straße kaum noch erkannt. Und auch in der Polizeiwache weiß niemand, wer die durchnässte Frau ist, die ihren SUV als gestohlen meldet – mitsamt ihren beiden Kindern. Kurz darauf wird aus dem Diebstahl ein Fall für die Mordkommission: Der Wagen ist im Neckar gelandet, Tochter Penelope wird tot geborgen. Sohn Hugo ist hingegen verschwunden. Ist er ebenfalls ertrunken? Da Pony Hübner mit einem reichen Medienunternehmer (Hans Löw) verheiratet ist, ziehen die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) auch eine Entführung in Betracht.

Warum lohnt sich der Fall "Ex-It"?

Für viele Menschen ist es das tägliche Lebenselixier: Sie posten Bilder von sich in den sozialen Medien und bekommen dafür Likes. Doch sie laufen Gefahr, davon abhängig zu werden: Nicht wenige verwechseln die Zustimmung auf Instagram mit echter menschlicher Nähe und können gar nicht mehr ohne digitale Herzchen. Die von Kim Riedle glaubwürdig verkörperte Pony Hübner ist so ein Mensch: Einst war sie ein gefeiertes It-Girl, doch mittlerweile ist sie in Vergessenheit geraten, ist nur noch ein "Ex-It", wie die Folge betitelt ist.

Der Entzug der öffentlichen Aufmerksamkeit bereitet ihr massive Probleme: "Wenn du nur 10.000 Follower hast, dann bist du unsichtbar", sagt die einst gefeierte Frau. Im Gespräch mit Thorsten Lannert klagt sie ihr Leid: "Wenn ich mich sehen will, dann gucke ich nicht in den Spiegel. Dann gucke ich in die Magazine", sagt sie. "Wenn ich da reingucke und ich seh mich nicht, dann denke ich, mich gibt es nicht mehr. Oder ich bin ein Geist." 

Was stört?

Wie im "Tatort" üblich wird das eigentliche Thema des Films in einen Kriminalfall eingebunden. Doch zwischen Zeugenbefragungen, KTU-Berichten und Tat-Rekonstruktionen kann das gesellschaftliche Problem nur kurz angerissen und oberflächlich abgehandelt werden. Was die Figur der Pony Hübner letztlich antreibt, was in ihr vorgeht und sie motiviert, bleibt im Dunkeln. Das ist schade, denn die Frage, was Ruhm und sein Verblassen mit Menschen macht, wird in Zukunft in unserer Gesellschaft relevant bleiben. Ein Krimi ist jedenfalls das falsche Format, um darauf eine Antwort zu geben.

Die Kommissare?

Der Tod des Kindes geht den beiden Ermittlern sichtlich nahe. Konzentrierter als sonst gehen Lannert und Bootz an die Arbeit – und verzichten komplett auf private Sperenzchen. 

Ein- oder ausschalten?

Keine klare Einschaltempfehlung, aber wir raten auch nicht ab. Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, können Sie diesem "Tatort" ruhig eine Chance geben.

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