Hier die Weihnachtsempfehlungen der Redaktion, jeweils sortiert nach richtigen Geschenkempfängern: Für Schaulustige, für Performer, für Zuhörer, für Eskapisten und schließlich noch Tipps für preisbewusste Schenker.

Mara Delius empfiehlt

Für Schaulustige:

Josh Sims: Gentlemen of Style. Laurence King, ca. 36 Euro. Während überall gerade die Frau jenseits der 50 als Freiheitsikone entdeckt wird, schauen sich die Avantgardisten den alten weißen Mann an: Dieser Band versammelt die stylishsten Vertreter eines in Verruf gekommenen Typus.

Für Performer:

„Renoir et l’amour“, Musée d’Orsay Paris, 17. März bis 19. Juli, 16 Euro. Wer genug hat von den „Alpha Singles“ oder „Performative Males“ unserer Gegenwart, findet Ablenkung in der Kulturgeschichte. In Paris wird im Frühling Renoirs Blick auf die Liebe ausgestellt. Am besten mitnehmen: Denis de Rougemonts Klassiker „Die Liebe und das Abendland“.

Für Zuhörer:

Die große Checker-Tobi-Hörspiel-Box. Cbj audio, 35 Euro. Checker Tobi, Nemesis aller Eltern von Kindern zwischen fünf und acht, jetzt als unendlich lange Hörbuchedition in sechs CDs. Zum Zuhören für Kinder, Weghören für Eltern optional.

Für Eskapisten:

Slutty Chef: Tart. Misadventures of an Anonymous Chef. Bloomsbury, ca. 14 Euro. Wilder Sex-und-Exzess-Bericht aus der Londoner Restaurant-Welt. Wer es zivilisierter mag, liest nur das Buch und geht zum Welsh-Rarebit-Essen ins St. John. 

Für Preisbewusste:

Catherine Clarke: „A History of England in 25 Poems“. Allen Lane, 400 S., ca. 28 Euro. Wem England im Winter zu nass, kalt oder prosaisch für eine Reise erscheint, der findet in dieser Verbindung von Gedichtsammlung und Kulturgeschichte eine schöne Parallelwelt – von Beowulf bis Brexit.

Marie-Luise Goldmann empfiehlt

Für Schaulustige:

„Ex“ von Marius von Mayenburg an der Berliner Schaubühne. Theaterkarten für den 13., 14. oder 15. Januar, ab 7 Euro. Warum nicht das neue Jahr mit einem neuen Theaterstück oder gar einer neuen Beziehung beginnen? Etwa dem intensiven Kammerspiel „Ex“ über die Fallstricke einer Ehe. Gefällt erwiesenermaßen Vätern und Töchtern und lädt zu langen Diskussionen ein.

Für Performer:

Das große Thomas-Mann-Quiz, arsEdition, 7,99 Euro. Kartenbox mit 50 Fragen zu Leben und Werk. Eine Frage, drei Antwortmöglichkeiten – und viele Stunden Rätselspaß über den „Zauberberg“, die „Buddenbrooks“ und Thomas Manns Plattfüße.

Für Zuhörer:

Rosalía: „Lux“, Vinylplatte, ca. 50 Euro. Niemand changiert so brillant zwischen Genres und Sprachen wie die spanische Pop-Queen Rosalía. Und nirgends hört man das neue Album über Erleuchtung und Herzschmerz so gut wie unter dem Weihnachtsbaum.

Für Eskapisten:

„Motherscape“-Ausstellung von Leiko Ikemura in der Wiener Albertina, bis 6. April. 19,99 Euro. Wien lohnt sich immer für einen Städte-Trip – und umso mehr, wenn die japanisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin Leiko Ikemura ausstellt.

Für Preisbewusste:

Netflix-Abo, ab 4,99 Euro pro Monat (mit Werbung). Wirklich verzichtbar ist ein Netflix-Abo immer noch nicht. Wie sonst sollte man mitreden, wenn die letzte Staffel „Stranger Things“ läuft? Oder die herrliche Komödie „Alphamännchen“?

Matthias Heine empfiehlt

Für Schaulustige:

„Donald Duck. Die ultimative Chronik“, Taschen-Verlag, 175 Euro. Schatzkistengroßer schwerer Prachtband mit Materialien aus den 1940ern, als die legendäre Ente als Zeichentrickfigur erfunden wurde. Höhepunkt: Storyboards für Filme, die Carl Barks entwarf.

Für Performer:

Die leichte Tasche „bikezac“ (14 Euro), die im Radfahrermekka Kopenhagen für die „edition bauhaus“ entwickelt wurde, sorgt mit ihrem Logo für angenehme kulturelle Verwirrung: Spielt es auf die 80er-Band Bauhaus an oder auf die Architekturbewegung?

Für Zuhörer:

Brad Mehldau: „Ride Into the Sun“, Nonesuch, Vinyl ca. 36 Euro. Für Leute wie mich, die im Winter nur Klassik und Jazz hören, hat Gott Brad Mehldau geschaffen. Der amerikanische Pianist vereint beides. Zehn Lieder auf dem Album sind Coverversionen des 2003 viel zu früh gestorbenen großen Songwriters Elliott Smith.

Für Eskapisten:

„Herkules – Held und Antiheld“, im Dresdner Zwinger, 16 Euro, unter 17 frei. Als gebürtiger Kasseläner bin ich unterhalb des Herkules Vorschulkind gewesen. Deshalb ist die Ausstellung Pflicht. Mir zuliebe werden meine Kinder so tun, als würden sie sich freuen.

Für Preisbewusste:

Die neue Werke-Ausgabe im Hegel-Verlag, je Band 16-28 Euro. Hier gibt es die Texte der historisch-kritischen Werkausgabe des Philosophen in moderner Orthografie und zu einem unschlagbaren Preis. Die Gestaltung – Leinen, Fadenheftung, augenschmeichelndes Papier  – wurde von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Schöner war Hegel nie. 

Richard Kämmerlings empfiehlt

Für Schaulustige:

Albrecht Dürer. Sämtliche Gemälde. Ausgewählte Zeichnungen und Druckgrafiken, Taschen, 175 Euro. Ein Werk der Superlative – im doppelten Sinne. Der singuläre Meister der Renaissance in einem einzigen, mit größtem Aufwand herausgegebenem Band. 

Für Performer:

„Ed Steed’s Fantasy Creatures Umbrella“ aus dem „New Yorker“-Merchandising Store, 45 Dollar. Wenn schon performative Männlichkeit, dann auch bei Wind und Wetter. Mit diesem Schirm mit auffälligem Logo der linksliberalen Intellektuellen-Flagschiffs ist man immer auf der attraktiven Seite.

Für Zuhörer:

Von wegen Lisbeth: „Strandbad Eldena“, Vinyl 30 Euro. „Wenn du tanzt“, „Meine Kneipe“ oder „Elon“ stehen für Deutsch-Pop heute. Im Dezember erscheint das neue Album der Berliner Band.

Für Eskapisten:

„Turner & Constable. Rivals & Originals“. Ausstellung in der Londener Tate, noch bis 12. April, Ticket 24 Pfund. William Turner wurde 1775 geboren, John Constable im Jahre darauf. Das große kunsthistorische Doppeljubiläum begeht die Tate mit einer Ausstellung, die zum Pflichtprogramm jeder London-Reise der kommenden Monate gehört.

Für Preisbewusste:

Unlimited Card fürs Kino (etwa bei UCI ab 17,90 pro Monat). Auch die Kinoketten bieten ein Abo-Modell. Perfekt für alle, die die besten Filme des Jahres gleich zum Start auf großer Leinwand sehen wollen, etwa „One Battle After Another“ mit Leonardo DiCaprio.

Jan Küveler empfiehlt

Für Schaulustige:

Massimo Listri: „Italian Palaces“, Taschen, 175 Euro. Ja, da würde man schon gern einziehen. Am besten in Venedig, notfalls auch woanders. Weil die Palazzi meist aber schon anderweitig belegt sind, sind Massimo Listris Bilder das nächstbeste Ding.

Für Performer:

Fender Stratocaster American Vintage II, 1889 Euro. Das E-Gitarrenspiel ist die maßgebliche Kulturtechnik der letzten ca. 70 Jahre. 1954 erfand Leo Fender die Strat, die so hieß, weil er es nicht unter der Stratosphäre machen wollte. Man kann immer noch mitfliegen.

Für Zuhörer:

David Gilmour: Live At The Circus Maximus. 2 BluRays, 30 Euro. In der Melancholie von Gilmours klagender Gitarre lebt das Erbe Pink Floyds weiter, egal, ob er die alten Lieder spielt oder die neuen vom sehr respektablen Solo-Album „Luck and Strange“. Wer die Tour 2025 verpasst hat, kann sie vor erhabenster Kulisse nachempfinden, dem Circus Maximus in Rom.

Für Eskapisten:

Manfred Pfister: „Englische Renaissance“, Galiani, 480 Seiten, 98 Euro. Es ist kein Zufall, dass Shakespeare und der Kapitalismus gleichzeitig geboren wurden. In 500 Originaltexten entfaltet sich das Panorama einer atemberaubenden Zeit, die sich aus der Barbarei zu kulturellen Höhen aufschwang.

Für Preisbewusste:

WhiteWall Fotobuch, ab 34,95 Euro. Fotobücher, also Unikate voller Emotionen, sind das beste Geschenk für Leute, die schon alles haben. Und natürlich für Groß- und Schwiegermütter, die sich am Enkelkind nicht sattsehen können. Bei der Internetdruckerei WhiteWall kann man sein Buch in Windeseile selbst entwerfen. Formate, Papier, selbst die Farbe des Vorsatzblattes sind frei gestaltbar.

Michael Pilz empfiehlt

Für Schaulustige:

„The Life of Chuck“, Blu-ray, ca. 17 Euro. Charles „Chuck“ Krantz könnte der Forrest Gump des 21. Jahrhunderts werden. Eine Filmfigur, die irgendwie das Dasein selbst verkörpert. Stephen King hat sie erfunden, im (Heim)Kino erwacht sie zum Leben.

Für Performer:

Gretsch G9126-ACE Guitarlele, ca. 280 Euro. Früher war es die Blockflöte. Heute spielt der Familienvater in der Midlife-Krise seinen Lieben auf seiner E-Gitarre vor. Ein Ständchen auf der Guitarlele täte allen besser. Als Hybrid aus Ukulele und Gitarre ist sie beides: Instrument und Spielzeug.

Für Zuhörer:

The Beatles: „Anthology Collection“. Apple, 12 LPs, ca. 380 Euro. Wer schon alles von den Beatles hat, hat auch alle drei Teile der „Anthology“. Nach 30 Jahren erscheinen sie neu und in vier Teilen, um zu hören, wie die Beatles wurden, was sie waren.

Für Eskapisten:

Mark Miodownik: „It’s a Gas“. Penguin, 304 S., 9 Euro. Jeder Stoff ist flüchtig. Dabei kommt es nur auf die Temperatur an und den Druck. Alles könnte ein Gas sein. Niemand schreibt so schön über die Materialien des Daseins wie Miodownik. Von Zement und Schokolade über Flüssigkeit aller Art bis zu den Lüften und zum sogenannten Nichts.

Für Preisbewusste:

Wolfgang Engler: „Brüche“. Aufbau, E-Book, 15,99 Euro. Nachdem sich der Philosoph erschöpfend daran abgearbeitet hat, was es mit dem Ostdeutschsein im Allgemeinen auf sich hat, betrachtet er seine eigene gebrochene Biografie.

Julian Theilen empfiehlt

Für Schaulustige:

XULY.BËT-Schau im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, 14 Euro. Die interessanteste Mode pendelt zwischen Streetwear und Couture hin- und her. Dem Pariser Label, das mit auffälliger Typografie Akzente setzt, gelingt das.

Für Performer:

Weiße Kabelkopfhörer von Apple, 19 Euro. Sie gehören zur Ausrüstung des coolen Großstadtmenschen und müssen nicht umständlich aufgeladen oder verbunden werden.  AirPods sind ästhetisch tot und sowieso zu teuer.  Verantwortlich für das famose Comeback des Kabelsalats ist die Gen Z, die Gefallen am Retro-Look der Nullerjahre gefunden hat.

Für Zuhörer:

Konzerttickets für Kool Savas, bei Eventim ab 55 Euro. Der King of Rap lebt noch, und geht 2026 mit seinem neuen Album „Lan Juks“ auf Deutschland-Tour. Kool Savas zeigt auf beeindruckende Weise, dass auch ein Rapper in Würde altern kann.

Für Eskapisten:

Kartenspiel „Wizard“, Amigo  6,99 Euro. Das Fest der Liebe ist auch das Fest der Streitigkeiten. Also lieber alle schlummernden Konflikte im besten Kartenspiel ausfechten – und mit einem Zauberer auf der Hand die grüne Elfe ausstechen. Das tut richtig gut!

Für Preisbewusste:

Handy-App „Beer with me“, kostenlos. Nicht jeden Tag gelingt das gemeinsame Bier mit dem besten Kumpel. Damit können Sie sich wenigstens virtuell zuprosten und angeben, wo genau Sie das Pils gerade trinken. Schmeckt dann besser, versprochen.

Marcus Woeller empfiehlt

Für Schaulustige:

„Ferrari“. Taschen-Verlag, 688 S., 125 Euro. „Einfachheit ist aufgelöste Komplexität“, hat der Bildhauer Constantin Brâncuși gesagt. Eingelöst hat dieses Gleichnis der Sportwagenhersteller Enzo Ferrari. Wie, das erklärt dieser Prachtband in erlösend angemessener Opulenz. 

Für Performer:

„Kabinen-Mobil, Stehen (Arbeitssituation)“, Edition von 25 Ex., 600 Euro, Galerie Thomas Fischer, Berlin. Um 1970 baute Joachim Bandau futuristische Fahrzeuge und fuhr damit herum. Diese Verkehrswende war allein künstlerisch-performativer Natur, wovon auch seine Fotos zeugen.

Für Zuhörer:

Tourtickets für Heaven 17, ab 60 Euro. „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ hieß ihre Debütsingle und war 1981 äußerst tanzbar, politisch aber voreilig. Heute sieht die Sache anders aus. Im November ’26 gehen die Synthie-Popper wieder auf Tour.

Für Eskapisten:

„Anno 117: Pax Romana“, Ubisoft, PS5 & PC, 60 €. Damals war die Welt noch in Ordnung. Trajan galt als der „beste“ Kaiser und sein Nachfolger Hadrian war auch nicht schlecht. Danach ging es bergab. Heute besinnt sich gern aufs römische Reich, wer den Niedergang kommen sieht – und spielt „Pax Romana“.

Für Preisbewusste:

LABYL-App, kostenlos. Kein Pilz am Waldesrand bleibt unfotografiert, kein Blümchen in der Natur unbestimmt. Apps machen es möglich. Durch die Städte irrt man viel unwissender, dabei taugen die Algorithmen auch für schöne wie schnöde Hausfassaden. LABYL erkennt Architektur und klärt über Baukultur auf – im Vorbeigehen. Leider bislang nur in New York.

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