In diesem Jahr wird Fiat mit zwei Modellen wieder in die Kompaktklasse zurückkehren. Die beiden neuen Fahrzeuge werden in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt rollen und mit Hybrid-, Elektro- und Benzinantrieb mit manueller Schaltung bei den Händlern stehen. Gleichzeitig wird der Pandina als Einstiegsmodell im Programm bleiben. Mit Andreas Mayer sprach Walther Wuttke von der Autoren-Union Mobilität.
Wie sieht die Bilanz für das vergangene Jahr bei Fiat Deutschland aus?
"Das Jahr begann für uns zunächst schleppend, entwickelte sich in der zweiten Hälfte jedoch deutlich positiver. Angeführt von dem 500er und dem Grande Panda als Mildhybrid-Modelle sowie dem Fiat 600 im B-SUV-Segment, ziehen wir eine positive Bilanz. In der zweiten Jahreshälfte konnten wir zudem unseren Marktanteil steigern."
Wie sehen Ihre Pläne für das noch junge neue Jahr aus?
"Bei Fiat herrscht Aufbruchstimmung. Wir kehren zu unseren Wurzeln der urbanen Mobilität zurück. In diesem Bereich spielen konventionelle Antriebe weiterhin eine wichtige Rolle. Im städtischen Bereich haben viele Autofahrer nur eingeschränkte Möglichkeiten, ihr elektrisches Fahrzeug zu laden. Deshalb stehen Antriebe wie Mildhybrid und Benzinmotoren weiterhin hoch im Kurs.
Wir führen deshalb jetzt den 500 Mildhybrid mit Handschalter ein und werden auch den Grande Panda mit manuellem Getriebe und Benzinmotor auf den Markt bringen. Zur Jahresmitte wird dann der 600er-Benziner mit Handschaltung bei den Händlern stehen."
Wann kommt das von Fiat Chef François Olivier angekündigte Modell im C-Segment?
"Wir werden Mitte des Jahres unsere Rückkehr ins C-Segment mit zwei Fahrzeugen, einem klassischen SUV und einem Crossover, feiern. Die beiden Modelle werden um die 4,40 bis 4,50 Meter lang sein und in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt rollen. Damit wird Fiat wieder vom Kleinwagen- bis zum C-Segment präsent sein. Die beiden Modelle werden als Mildhybrid, batterieelektrisch sowie als Benziner mit Handschaltung bei den Händlern stehen."
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Wird Fiat in Zukunft auch wieder im D-Segment präsent sein?
"Wir werden im Pkw-Bereich nicht über das C-Segment hinausgehen. In der Stellantis-Markenstruktur ist es sinnvoll, dass Fiat die Bereiche von der urbanen Mobilität bis zum Familienauto im C-Segment abdeckt. Für Angebote in höheren Klassen gibt es andere Marken im Konzern. Fiat wird die urbane und vor allem erschwingliche Marke bleiben."
Kein Modell verkörpert Fiats Kompetenz im Kleinwagenbereich wie der Panda. Wird der Panda im Angebot bleiben?
"Der aktuelle Panda bleibt als Pandina weiterhin im Programm. Schließlich ist er seit Jahrzehnten das meistverkaufte Fahrzeug in Italien. Wer einen günstigen Viertürer sucht, findet im Pandina für unter 13.000 Euro ein attraktives Angebot."
Andere Hersteller haben sich aus Kostengründen aus dem A-Segment verabschiedet. Bei Stellantis ist Fiat die letzte Marke, die dort präsent ist. Wie schafft es Fiat, in der Kleinwagen-Klasse zu bleiben?
"Ein entscheidender Faktor ist das hohe Produktionsvolumen. In unserem Werk bei Neapel werden jährlich rund 100.000 Pandina gefertigt. Das ist extrem viel. Während der Pandina vor allem aus rationalen Gründen gekauft wird, sind es beim 500er eher emotionale Werte. Die Kunden wollen dieses Auto einfach haben und sind bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Für uns ist es extrem wichtig, in diesem Segment präsent zu bleiben."
Wie reagiert Fiat auf die für die Kundschaft verwirrenden Signale aus der Politik?
"Die Situation ist derzeit tatsächlich so unsicher wie selten zuvor. Auf der einen Seite wird das Verbrenner-Aus gekippt, und gleichzeitig kommt in Deutschland die Elektroprämie wieder. Ich bin froh, dass wir bei Stellantis flexibel auf die verschiedenen Szenarien reagieren können. Schließlich können und wollen wir als Hersteller unsere Kunden nicht zu einer bestimmten Technik zwingen.
Sich heute auf eine Technologie festzulegen, ist angesichts der Rahmenbedingungen in Europa schwierig. In Südeuropa spielt Elektromobilität weiterhin eine untergeordnete Rolle, während sie in Nordeuropa bereits stark verbreitet ist. Der Anteil der E-Modelle erreicht bei Fiat in Deutschland übrigens rund 20 Prozent."
Wie hat sich beim 500er die Umstellung auf reinen Elektroantrieb ausgewirkt, die mittlerweile ja wieder revidiert wurde?
"Der Absatz ist um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. was zum einen am höheren Preis lag, zum anderen aber auch daran, dass die Kunden in der Stadt zu wenige Lademöglichkeiten hatten. Die Sorge, nicht laden zu können, ist immer noch sehr präsent und fast größer als die Reichweitenangst."
Welche Rolle spielt Fiat innerhalb des Stellantis-Konzerns?
"Fiat ist weltweit die absatzstärkste und international am breitesten aufgestellte Marke im Konzern. Wir sind vor allem stark in Südamerika, aber auch im Mittleren Osten und der Türkei sowie in Europa. Fiat ist zweifellos eine der tragenden Säulen des Konzerns."
Abarth ist die erste Stellantis-Marke, die auf ein vollelektrisches Angebot ungestellt wurde. Wie haben die Kunden reagiert?
"Wir sind aktuell intensiv damit beschäftigt, die bestehenden Abarth-Käufer von der Performance eines Elektrofahrzeugs zu überzeugen. Abarth stammt aus der Tuningschiene, und das fällt bei einem Elektroauto natürlich weitgehend weg, doch uns muss jetzt dieser Spagat gelingen und die Berührungsängste abbauen.
Die Umstellung einer sehr sportlichen Marke auf vollelektrischen Antrieb bleibt eine herausfordernde Aufgabe. Deshalb bringen wir die Autos den Kunden bei Testfahrten näher. Wir haben auf der anderen Seite aber auch viele neue Käufer gewonnen, die von anderen Marken kommen und gezielt die Leistung suchen."
Wo sehen Sie Fiat in fünf Jahren?
"In fünf Jahren sehe ich Fiat weiterhin als wichtigen Bestandteil des Stellantis-Konzerns – mit größerem Volumen, auch in Deutschland. Fiat wird auch in fünf Jahren im Kleinwagen-Segment präsent und weiter für die Kunden erschwinglich sein."
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