160 Brasilianerinnen und Brasilianer waren Teilnehmer einer Studie der Universität von São Paulo (USP), zwanzig von ihnen gehörten sogar zu den sogenannten Supercentenarians, waren also 110 Jahre oder älter. Sie kamen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, oft aus Gegenden mit schlechter ärztlicher Versorgung und einige unter ihnen waren trotzdem erstaunlich fit.

Schwimmmeisterin mit 100

Schwester Inah, 2025 als damals ältester Mensch mit 116 Jahre gestorben, war ebenso beteiligt wie die beiden ältesten Männer, von denen der eine mit 113 Jahren noch lebt, während der andere im November 2025 mit 112 gestorben ist. Eine der Teilnehmerinnen, genau 110 Jahre alt, wurde sogar zusammen mit ihren Nichten begleitet, 100, 104 und 106 Jahre alt. Die 106-Jährige Laura de Oliveira war mit 100 noch Schwimmmeisterin geworden – im 50-Meter-Brustschwimmen in der Altersklasse 100–104 Jahre, mit 2 Minuten und 49,41 Sekunden.

Sie alle sind oder waren brasilianische Staatsbürger. Und diese große Anzahl Betagter kann statistisch nicht allein mit der Größe des Landes erklärt werden. Dazu ist die Bevölkerung – im weltweiten Vergleich – dann doch nicht groß genug.

Einzigartiger Genpool

Warum also diese Häufung? Die Antwort der Forscher der USP: Es ist die genetische Vielfalt, die für eine hohe Widerstandskraft und damit auch für Langlebigkeit sorgt. Durch die verschiedenen Einwanderungsbewegungen, durch die Europäer, vor allem Portugiesen, die ab 1500 auf Indigene stießen, Menschen aus Afrika, die als Sklaven ins Land gebracht worden und die Migrationsströme aus Europa und Asien im 19. Jahrhundert, ist eine Vielzahl genetischer Kombinationen entstanden, die nach Aussage der Wissenschaftler weltweit einzigartig ist.

Mehr als acht Millionen neue genetische Varianten

Vor Jahren hatte bereits eine erste Genomstudie bei über 1.000 Brasilianern über 60 Jahren zwei Millionen neue genetische Varianten entdeckt, die in globalen Genomdatenbanken fehlten. Eine neuere Studie identifizierte sogar mehr als acht Millionen unbeschriebene genomische Varianten in der brasilianischen Bevölkerung. Den meisten Genomdatensätzen fehle nach Aussage der Forscher eine ausreichende Berücksichtigung von Populationen mit gemischter Abstammung. Dadurch entstünden blinde Flecken, die genau die Vorteile für das Altern verschleiern könnten, nach denen Forscher suchen. "Diese Lücke ist besonders einschränkend in der Langlebigkeitsforschung, da Supercentenarians mit gemischter Abstammung einzigartige Schutzvarianten aufweisen können, die in genetisch homogeneren Populationen unsichtbar sind", erklärt Mateus Vidigal de Castro, Erstautor des Standpunktes und Forscher am Zentrum für Humangenom- und Stammzellforschung.

Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Resilienz

Für die Wissenschaft seien Supercentenarians weit mehr als nur ein Beispiel für biologische Möglichkeiten. Sie stünden eher für Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Resilienz – genau jene Eigenschaften, die die biomedizinische Forschung entschlüsseln müsse, wenn es nicht nur um die Verlängerung der Lebensspanne, sondern auch um die Verbesserung der Lebensqualität alternder Bevölkerungsgruppen geht. Anstatt lediglich ein hohes Alter zu erreichen, widersetzten sich diese Menschen aktiv den Zeichen des Alterns und lieferten so Erkenntnisse, die unser Verständnis von Langlebigkeit grundlegend verändern und zukünftige Interventionen zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne beeinflussen könnten.

Mehr Wert auf gemischte Herkunft legen

So fordert Mayana Zatz, korrespondierende Autorin und Professorin an der Universität von São Paulo: "Internationale Konsortien für Langlebigkeit und Genomik sollten ihre Rekrutierung auf Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Abstammung und gemischter Herkunft, wie beispielsweise die brasilianische, ausweiten oder finanzielle Unterstützung für genomische, immunologische und longitudinale Studien bereitstellen, die den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn vertiefen und die Chancengleichheit in der globalen Gesundheitsforschung verbessern".

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Brasilien trotz der hohen Anzahl Hundertjähriger immer noch niedriger als in Deutschland. Können Frauen bei uns durchschnittlich damit rechnen, 83,2 Jahre alt zu werden und Männer 78,5 Jahre, liegen die entsprechenden Werte in Brasilien (beides Stand 2024) bei 79,14 (Frauen) und 72,95 Jahren (Männer).

Links/Studien

Zur Studie: Insights from Brazilian supercentenarians

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke