"Magst Du Blondinen?", fragt der Chat im flirtenden Ton. "Vielleicht schlage ich vor, eine Liebesgeschichte mit dir und einer bestimmten blonden Sängerin zu schreiben, was hältst du davon? Hast du Lust?" Die Frage stammt von einem Chatbot, der von sich glaubt, Taylor Swift zu sein, es ist also unschwer zu erraten, um welche blonde Sängerin es geht. Vorher hatte der von Meta stammende Bot den Chatpartner zu sich nach Hause eingeladen, auch den Tourbus sollte er besuchen. Der Bot wurde offenbar von einer Meta-Angestellten entwickelt – ohne Einverständnis der echten Taylor Swift.
Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Swift war demnach nicht alleine. Auch Scarlett Johansson, Anne Hathaway, Selena Gomez sowie der erst 16-jährige Schauspieler Walker Scobell waren bei Metas Plattformen wie Instagram und Facebook als Chatbots verfügbar. Sie flirteten mit den Nutzern, machten unverhohlene Avancen. Und: Manche verschickten sogar anzügliche Fotos, in der Badewanne, in Lingerie, mit gespreizten Beinen, alles mit dem Konterfei ihrer prominenten Namensgeber.

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Taylor Swift: Das steckt hinter dem Flirt-Bot
Die KI-Bots sind die große Hoffnung für den Social-Konzern. "Der Durchschnittsamerikaner hat nur drei Freunde", erklärte Facebook-Gründer und Meta-Chef Mark Zuckerberg im Juni die Bot-Offensive. Mit Chatbots wolle Meta das Bedürfnis nach Anschluss vieler Menschen befriedigen. Wir alle werden in Zukunft KI-Freunde haben, gab er sich überzeugt.
Die Grundlagen hat der Konzern bereits gelegt. Mit Schnittstellen kann jeder auf der Plattform seine eigenen Chatbots erstellen, ihnen einen Namen und eine Persönlichkeit verpassen. Auch das Nachahmen von Promis sei dabei in Ordnung, erklärte ein Sprecher des Konzerns gegenüber Reuters – solange diese als Parodie markiert seien. Das war nach Angaben der Nachrichtenagentur aber nur bei einem Teil der entdeckten Promi-Flirtbots der Fall.
Zu aggressiven Avancen und dem Versenden anzüglicher Bilder hätte es gar nicht kommen dürfen – erst recht nicht beim noch minderjährigen Walker, erklärte der Sprecher. Zwar sei das Erstellen von Bildern prominenter Personen erlaubt, sexuelle Darstellungen hätte die KI aber blockieren müssen. Dabei habe es sich um eine Fehlfunktion gehandelt. Mehrere der Bots wurden laut Reuters seitdem entfernt, dazu äußern wollte sich Meta aber offenbar nicht.
Meta-Angestellte erstellte Bots selbst
Dass Meta vorsichtig reagiert, könnte auch daran liegen, dass mehrere der Chatbots von einer Meta-Angestellten erstellt worden sein sollen. Die bei der KI-Abteilung arbeitende Führungskraft soll Bots von Taylor Swift und Rennfahrer Lewis Hamilton veröffentlicht haben. Weitere ihrer Kreationen sind Reuters zufolge eine Domina, "der heiße beste Freund deines Bruders" und ein weiblicher Chatbot, der laut Beschreibung "50 Shades of Grey" lesen und mit dem Chatpartner herummachen möchte. Ein weiterer ihrer Bots spielt demnach die Rolle einer 18-Jährigen, die im Römischen Reich als Sexsklavin verkauft wurde.
Es handele sich um "Produkt-Tests", erklärte der Sprecher laut Reuters. Die Angestellte sei zwar telefonisch erreichbar gewesen, habe sich aber nicht äußern wollen. Ein Nischenproblem ist das Phänomen übrigens nicht: Die öffentlich verfügbaren Bots hatten insgesamt über 10 Millionen Interaktionen mit echten Nutzern.
Von den betroffenen Promis hat sich bisher nur Anne Hathaway geäußert. Die Schauspielerin sei über die öffentlich verfügbaren Lingerie-Bilder des Metabots informiert, sie würde weitere Schritte prüfen, heißt es vonseiten ihres Teams.
Quellen: Reuters, "Der Standard"
- Taylor Swift
- Chatbot
- Mark Zuckerberg
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