40 Jahre nach einem geplatzten Antrag funkt es erneut - zumindest bei ihm: Heiner Lauterbach und Iris Berben verzaubern in einer RomCom.

Was passiert eigentlich mit der Liebe, wenn man ihr vier Jahrzehnte lang aus dem Weg geht? Regisseur Marc Rothemund und Drehbuchautor Richard Kropf, die zuletzt mit "Wochenendrebellen" (2023, FBW-Prädikat "besonders wertvoll") einen großen Erfolg feierten, liefern mit "Ein fast perfekter Antrag" ab dem 26. Februar im Kino eine Antwort, die gleichermaßen zum Lachen und zum Nachdenken einlädt.

Im Mittelpunkt steht der Witwer Walter Adler, ein pensionierter Ingenieur, der seine Tage damit verbringt, Restaurants mit akribischen Online-Bewertungen zu überziehen. Heiner Lauterbach (72) gibt diesen pedantischen Griesgram mit sichtlichem Vergnügen. Ausgerechnet bei einem seiner Restaurantbesuche läuft ihm seine Jugendliebe Alice über den Weg. Vor 40 Jahren war sein Heiratsantrag spektakulär in die Hose gegangen. Jetzt stehen sie sich wieder gegenüber, und die alte Anziehungskraft ist offenbar nicht erloschen - zumindest erstmal von ihm aus.

Zurück auf die Schulbank - mit 60 plus

Nur hat sich Alice in der Zwischenzeit zu einer freigeistigen und freiheitsliebenden Frau entwickelt, die als Kunstprofessorin an der Universität Regensburg arbeitet und auf Beziehungsstress verzichten kann. Iris Berben (75) spielt sie mit großer Selbstverständlichkeit. Alice stellt Walter eine klare Bedingung: Wenn er sie wirklich kennenlernen will, muss er sich für ihre Welt interessieren. Also schreibt sich der Rentner kurzerhand als Gaststudent in ihren Kurs ein - und muss fortan nicht nur um Alice werben, sondern sich auch in einem Hörsaal voller Kommilitonen behaupten, die 40 Jahre jünger sind.

"Ich fand die Frauenfigur wunderbar normal - gerade das ist ja selten", schwärmt Berben im Interview mit spot on news über ihre Rolle. "Sie ist selbstbestimmt, unabhängig, neugierig, wach, offen, auch widersprüchlich. Solche Rollen werden meist für Frauen Anfang 30 oder 40 geschrieben. Aber diese Figur ist Ende 60, vielleicht 70."

Regensburg als heimlicher Hauptdarsteller

Besonders klug gelingt dem Film die Verschränkung von Generationenkonflikt und Liebesgeschichte. Walter stolpert über junge Studierende wie den non-binären Zero (Jonathan Perleth, 31, "Polizeiruf 110: Daniel A.") oder die freundliche Flora, die von Lauterbachs echte Tochter Maya Lauterbach (23) verkörpert wird. Der Film zeigt die komischen Seiten, wenn Generationen aufeinandertreffen, ohne sich auf eine Seite zu stellen oder sich lustig zu machen. "Dieser Austausch belebt beide Seiten", erklärt Berben. "Miteinander statt gegeneinander - das macht auch am Set mehr Sinn", sagt sie und erklärt: "Jeder einzelne hatte seinen Platz, jede Figur ihre Bedeutung. Das zeigt auch: Individualität ist wichtiger als Anpassung. Man sollte sich fragen: Wer bin ich? Was will ich erzählen? Das ist spannender, als nur Trends zu folgen", lautet der Rat der vielfach ausgezeichneten Schauspielerin.

Das cineastisch eher nicht so oft gezeigte Regensburg erweist sich dabei als perfekte Kulisse für die Geschichte. Die Steinerne Brücke, die engen Gassen, das universitäre Flair - die Stadt spielt in jeder Einstellung mit. "Es war ein Traum", sagt Berben. "Regensburg war fast wie ein weiterer Hauptdarsteller." Nebenfiguren wie Walters treuer Hund Barney, dessen Abschied zu den emotional starken Momenten des Films zählt, oder skurrile Mitbewohner in einer Künstler-WG geben der Geschichte zusätzliche Wärme und Tiefe.

Eine RomCom, die dem Klischee ausweicht

Rothemund balanciert Humor und Emotion mit sicherer Hand. Skurrile Einfälle - etwa ein Mitbewohner, der "Schleimfasten" betreibt - stehen neben leisen, berührenden Augenblicken. Dass manche Wendung vorhersehbar daherkommt, fällt kaum ins Gewicht. Denn das Finale weicht elegant dem Klischee aus. "Ich finde es schön, dass das Ende nicht das Erwartbare ist", verrät Berben. "Es geht um die Freiheit, sich jeden Tag neu füreinander zu entscheiden. Das ist doch wunderbar erwachsen."

Die Produktion von Studio Zentral in Kooperation mit Leonine Studios und ARD Degeto trifft damit einen Nerv: In einer Zeit, die oft überfordert, darf Kino ein Ort sein, an dem ganz verschiedene Menschen gemeinsam träumen. "Ein fast perfekter Antrag" ist kein Film, der das Genre neu erfindet. Aber er ist ein herzliches, klug besetztes Plädoyer dafür, dass Neugier und Schmetterlinge im Bauch kein Verfallsdatum kennen. Lauterbach und Berben machen daraus einen charmanten Kinoabend für Erwachsene, die wissen, dass Perfektion überbewertet ist.

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