„Hoch die Tassen, Geld verprassen, gut gehen lassen“ – als mit den Kaulitz-Brüdern in einem Pariser Bistro angestoßen wird, wirkt es einen Moment lang so, als ginge die Party jetzt richtig los. Doch der Eindruck erweist sich als ähnlich schnell flüchtig, wie so einige der Impressionen, die der erste Teil dieses Doku-Zweiteilers bietet.
„On & Off the Catwalk by Heidi Klum“, so lautet der Titel des Zweiteilers, passgenau getimt zum Start der neuen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“. Versprochen wurden Blicke hinter die Kulissen, Impressionen aus dem Leben der 52-Jährigen aus Bergisch Gladbach, in tragenden Nebenrollen der Nachwuchs: Tochter Leni und Sohn Henry, die ebenfalls schon eine Weile dabei sind, sich einen Namen zwischen rotem Teppich, Fashionshows und Werbekampagnen-Shooting zu machen.
Häppchen im Hotelzimmer, Facetime im Taxi, Klamottenwahl in irgendwelchen Showrooms, die Bilder folgen schnell, ähneln sich oft – im Verlauf der knapp zwei Stunden stellt sich da durchaus eine gewisse Ermüdung ein. Aber es gibt auch so einiges an Highlights, mal so rührend wie beim Kaffeeklatsch mit Wolfgang Joop. Die Mode-Ikone hatte sich eine Schwarzwälder Kirschtorte gewünscht, Heidi erfüllt ihrem in die Jahre gekommenen Weggefährten diese Bitte natürlich. Ihre Mutter Erna lässt es sich nicht nehmen, den Kuchenkarton auf der Fahrt zu Joopi eigenhändig mit einem Blumenbild zu bemalen.
Überhaupt ist Erna Klum so etwas wie der heimliche Star der Doku. Legendär ist ihr Handtaschen-Inhalt, mal sind es Chicken Wings, dann vorgekochte Eier oder jede Menge Naschkram. „Es gab auch mal Spaghetti mit Soße in einer Serviette.“, offenbart Enkelin Leni. Die Show-Abende sind lang, da muss man gewappnet sein, wenn der kleine Hunger kommt, zudem leidet Erna Klum unter Diabetes, ein schneller Snack kann da überlebenswichtig sein. Mindestens ebenso essenziell ist die ausreichende Bodenhaftung. „Alle sagen Heidi das, was sie hören will“, so Mutter Klum. „Ich sage ihr das, was ich sehe.“
Die bodenständige Modelmutter kennt das Business aus eigener Erfahrung, 1972 wurde sie zur „Miss Marina di Venezia“ gewählt. Der Lohn: ein Mofa. Kein Vergleich zu den 300.000 US-Dollar, die Tochter Heidi 20 Jahre später bei einem Modelwettbewerb in der „Gottschalk“-Show gewann, einen Modelvertrag on top.
Eine Zeit, an die Heidi Klum nicht nur gute Erinnerungen hat. Zu kurvig, zu dick, zu mainstreamig, nur einige der Anwürfe, die sie wegstecken muss, der Weg zum Erfolg ist steinig. Auch von dubiosen Dinnerabenden mit Kunden ist die Rede, bei denen es um alles andere, nur nicht um Modelaufträge gehen sollte.
Heidi Klum über das Schöne am Älterwerden
Und auch als die Karriere Fahrt aufnimmt, ist der Ton zuweilen gewöhnungsbedürftig. In einer Szene besucht Heidi Klum den Fotografen Gilles Bensimon, der einige der frühen ikonischen Aufnahmen von ihr gemacht hat und sein Erfolgsgeheimnis ausplaudert. „Pardon my french“, sagt der 81-jährige, der zum Dinner geladen hat, aber erst einmal nur Wasser mit Eiswürfeln und dubiosen Beeren auftischt. „Sie sollte aussehen, als wäre sie frisch gevögelt.“ Nun denn, wenn’s schee macht …
Ansonsten wechseln die Impressionen, mal in schnell geschnittenen Montagen, an anderer Stelle wird es im Hotel, im Schminkraum, im Taxi zumindest etwas ruhiger. Leni erzählt von ihrer strengen Frau Mama, den rebellischen Teenagerjahren. Henry schwärmt vom Einstieg ins Modelgeschäft und dem ersten Paycheck. Für ein Parfüm von Yves Saint Laurent schüttelt er sein Haupthaar, schwingt das Jäckchen und setzt sich schräg auf einen Hocker. Das Beste am Modeln? „To express yourself“. Spricht’s und lächelt ein gewinnendes Lächeln.
Die Erkenntnisse werden fast beiläufig eingestreut. Sie sei nicht schwanger, dass sie „etwas dicker“ ist, liegt an den Wechseljahren, dennoch bleibt es dabei: „Ich gehe gern zur Arbeit, wenn man es Arbeit nennen will.“ Das Schöne am Älterwerden? „Dass einem vieles egal ist, was andere sagen.“ Und wer immer noch dem Irrglauben erliegt, das Modeldasein wäre ein einziger Luxustrip, dem sei der Blick auf Klums Arbeitsplan während der Pariser Fashionweek empfohlen, ein dichtgedrängtes Termin-Stakkato, gnadenlos auf Kante genäht.
So fliegt die Zeit dahin. Du musst den Bauch einziehen, sagt Mama Erna. Thilo im Black-Sabbath-T-Shirt möchte ein Selfie und Freundin Naomi Campbell überreicht „the hardest working woman in the business“ einen Bambi. Zwischendurch gibt es millionenschweren Schmuck ins Hotelzimmer geliefert, werden Tauben gefüttert – „Hände waschen, sonst lecken wir den ganzen Shit ab“ – Nudeln gegessen und Spiegeleier, Kuchen ohne Boden vertilgt und Schampus geschlürft, wenn man denn endlich die Flasche aufbekommt. Hoch die Tassen, Geld verprassen, gut gehen lassen? Alles zu seiner Zeit.
- Heidi Klum
- Germany's Next Topmodel
- Wolfgang Joop
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