Der Skandal um ein KI-Video und eine veraltete Aufnahme in einem Beitrag beim ZDF-„Heute Journal“ hat nun auch personelle Konsequenzen. „Die Überprüfung kommt zu dem Schluss, dass die Verstöße gegen ZDF-Richtlinien und journalistische Standards so schwer wiegen, dass die New York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen wird“, teilte der Sender am Freitag mit.
Die Korrespondentin hatte für die Redaktionen „Mittagsmagazin“ und „Heute Journal“ über die Angst von Kindern unter anderem in New York vor den Festnahmen der amerikanischen ICE-Behörde berichtet. Der Beitrag wurde bereits am vergangenen Freitag im „Mittagsmagazin“ gesendet und war laut dem Sender „nicht zu beanstanden“. Der Unterschied zu der Version, die zwei Tage später im „Heute Journal“ gezeigt wurde: Er enthielt noch nicht das KI-generierte Video sowie veraltete Aufnahmen.
Der Bericht wurde demnach von der Korrespondentin für das „Heute Journal“ vom 15. Februar angepasst. In der neuen Fassung verwendete Albrecht dann zwei Videoszenen aus dem Internet. Davon stammte eine Szene aus einem völlig anderen Kontext (Festnahme nach einem Amoklauf in Florida 2022), die andere Szene war KI-generiert.
Das KI-generierte Material hätte laut dem Sender ohne journalistische Begründung und ohne Einordnung gemäß der internen Regeln des ZDF zur Verwendung von KI-generiertem Material nicht verwendet werden dürfen. Eine nach journalistischen Standards erforderliche Überprüfung der anderen Videoszene und ihres Ursprungs sei nicht erfolgt. Der Schlussredaktion des „Heute Journals“ hätte zudem bei der Abnahme des Beitrags die KI-generierte Bildsequenz auffallen müssen.
„Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist groß“, sagte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten. „Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung.“ Das ZDF erarbeite zurzeit einen Maßnahmenkatalog, „um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden“.
Gellinek spricht von „handwerklichen Fehlern“
Das ZDF hatte sich nach Ausstrahlung des fehlerhaften Beitrags im „Heute Journal“ wegen der Fehler öffentlich entschuldigt. In der Sendung sprach die Moderatorin und stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek von einem „Doppelfehler“ und bat die Zuschauer ausdrücklich um Entschuldigung.
Die „handwerklichen Fehler“ schmerzten sehr, weil die ZDF-Nachrichten sehr viel Kraft investieren würden, geprüfte Informationen zu liefern. „Das ist uns diesmal nicht gelungen“, sagte Gellinek. „Dafür bitte ich Sie, unsere Zuschauer, als ZDF-Nachrichtenchefin ausdrücklich um Entschuldigung. Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards.“
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