Zu gehen, wenn die Party ihren Höhepunkt erreicht hat, gilt als Kunst. Charli xcx (33) beherrscht sie nicht. Ihre Mockumentary "The Moment" erzählt von einer Künstlerin, die sich nicht lösen kann vom Rausch des Erfolgs. Und davon, was passiert, wenn man bleibt, obwohl der Moment längst weitergezogen ist.
Charli xcx selbst erklärte, die Idee für den Film, der am 19. Februar in die Kinos kommt, sei entstanden, nachdem sie während der Brat-Ära unter Druck geraten sei, eine Doku zu drehen. "Mein Problem mit vielen Musiker-Dokumentationen ist, dass sie oft zeigen, wie der Musiker auf irgendeine Form von Widerstand trifft und ihn am Ende überwindet, um als Held dazustehen", sagte sie "Vanity Fair". Und machte es anders. Statt Heldenreise zeigt "The Moment" das komplette Gegenteil: eine Künstlerin, die unter dem Druck zusammenbricht und sich selbst verliert.
Skarsgård als herrlich selbstverliebter Regisseur
Das entspricht zwar nicht der Realität, ist aber interessant mit anzusehen. Und ziemlich lustig, zum Beispiel wenn das Management als Marketingstrategie eine grüne "brat"-Kreditkarte für die queeren Fans einführt und die verwirrte Charli xcx fragt: "Wie läuft das? Müssen sie beweisen, dass sie queer sind?" Und ganz besonders, wenn Alexander Skarsgård (49) als herrlich selbstverliebter Regisseur ins Spiel kommt. Er will den Konzertfilm von Charli xcx drehen, allerdings ohne Exzess, Schweiß oder Stroboskop - also ohne allem, was die Musikerin ausmacht. Er wünscht sich pinke Lichter, Tänzerinnen, Akrobatik-Nummern, Konfetti, Kostüme. "Brat" soll der ganzen Familie zugänglich gemacht werden. Als ihn Charlis Creative Director fragt, ob er wisse, dass sie über Kokain singe, fabuliert er einfach weiter: "Aber singt sie wirklich über Kokain - oder ist es nicht eher eine Metapher?"
Der tatsächliche Regisseur Aidan Zamiri, der auch gemeinsam mit Bertie Brandes das Drehbuch verfasste, hat für die Satire ein beeindruckendes Ensemble versammelt. Neben Skarsgård gibt Reality-Star Kylie Jenner (28) in dem Film ihr Schauspieldebüt. Sie spielt sich selbst und erteilt der kämpfenden Musikerin einen denkwürdigen Rat: "In dem Moment, in dem die Leute genug von dir haben, musst du noch härter arbeiten." Komplettiert wird die Besetzung von Rachel Sennott (30), Rosanna Arquette (66), Kate Berlant (38), Hailey Gates (35) und Jamie Demetriou (38).
Alles, nur kein Ende
Charli xcx spielt währenddessen eine überzeichnete Version ihrer selbst, die zwischen Überforderung, Höflichkeit und Erschöpfung einem Nervenzusammenbruch entgegentaumelt und vor lauter Verzweiflung irgendwann zu allem "ja" sagt. Einfach weil ihr das Ende der Party noch mehr Angst macht als die Vorstellung, ein billiger Popstar-Abklatsch zu werden. Der Schluss ist folgerichtig der wahr gewordene Albtraum für alle, die Kunst nicht nur als Produkt verstehen und ein Triumph für jede Marketingabteilung. Noch vor dem letzten Ton folgt nahtlos die Werbeeinblendung: "Be a 365 party girl in the comfort of your own home."
SpotOnNews- Alexander Skarsgård
- Kokain
- Vanity Fair
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