- 4 von 5 Punkten
- Porträt einer Dorfgemeinschaft, in der Gewalt und Hass regieren
Worum geht's in diesem "Tatort"?
In einem kleinen Ort an der deutsch-französischen Grenze wird die Leiche von Emil Feidt (Marcus Hartmann) gefunden. Für die Familie ist es der zweite Schicksalsschlag. Fünf Jahre zuvor ist die damals 13-jährige Tochter Becky in einem Fluss ertrunken. Ihr Tod wurde als Unfall eingestuft, die Ermittlungen wurden eingestellt. Doch die Familie Feidt will sich damit nicht abfinden. Sie glauben, dass Becky von ihrer Freundin Claire Louis (Carolin Wege) ermordet wurde. Die Kommissare Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) mischen sich unter die Dorfbewohner und stoßen auf zwei verfeindete Familien, sie sich seit Generationen bekriegen. Auf der einen Seite stehen die Angehörigen der Feidts, auf der andere die Mitglieder der Familie Louis. Für Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) öffnet der Fall alte Wunden. Sie stammt aus dem Dorf, hat es aber vor 30 Jahren verlassen und jeglichen Kontakt abgebrochen. Die Ermittlungen zwingen sie nun, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit und alten Bekannten auseinanderzusetzen.
Warum lohnt sich der Fall "Das Böse in Dir"?
Shakespeares Werk "Romeo und Julia" ist über 400 Jahre alt und hat dennoch nichts von seiner Brisanz verloren. Die Geschichte einer verbotenen Liebe und zweier verfeindeter Familien lässt sich beliebig übertragen. In diesem "Tatort" in ein Dorf an der deutsch-französischen Grenze – ohnehin ein Terrain mit bewegter Geschichte. Die sich bekriegenden Familien heißen nicht Montague und Capulet, sondern Feidt und Louis, das geächtete Liebespaar sind zwei junge Frauen. Die Handlung spielt in dem fiktiven Ort Hohenweiler, wo einst der Bergbau florierte und nun Armut und Arbeitslosigkeit herrschen.
Stärker ist nur der Hass, der die Bewohner seit Generationen spaltet. Warum sie sich entzweit haben, scheint niemand mehr genau zu wissen – oder zu hinterfragen. Der Hass wurde einfach immer weitergegeben. Ein Umstand, der nicht nur auf den fiktiven Ort Hohenweiler, sondern auf viele Schauplätze dieser Welt zutrifft. "Gut, wenn man sich im Kleinen etwas anschauen und daraus Schlüsse ziehen kann für das große Ganze", sagt Regisseurin Luzie Loose. Ihr sind zum starken Drehbuch von Daniela Baumgärtl und Kim Zimmermann eindrucksvolle Bilder gelungen. Ein Film, der bewegt und zum Nachdenken anregt.
Was stört?
Es ist der sechste Fall des noch recht neuen Ermittler-Teams aus Saarbrücken, und bisher kreisten alle Krimis um die Kommissare. Während zum Auftakt in mehreren Filmen die Freundschaft von Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) intensiv beleuchtet wurde, stand zuletzt Ermittlerin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) im Fokus. Sie wurde Opfer einer Geiselnahme. Dieses Mal richtet sich die Aufmerksamkeit auf Kommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und ihre persönliche Geschichte. Die vielen privaten Ausflüge bringen den Zuschauerinnen und den Zuschauern die Kommissare näher, rauben dem eigentlichen Kriminalfall aber oft die Spannung. Zudem wird pro Jahr nur ein "Tatort" aus Saarbrücken gesendet. Da nach längerer Pause immer die Ereignisse aus dem vorherigen Fall parat zu haben, ist nicht selbstverständlich.
Die Kommissare?
Der Krimi knüpft mehr oder weniger nahtlos an die im Januar 2025 ausgestrahlte Folge "Das Ende der Nacht" an. Damals geriet Kommissar Leo Hölzer in eine Explosion. Es war nicht klar, ob er sie überlebt hat. Jetzt spaziert er munter ins Kommissariat und deutet an, dass hinter ihm ein längerer Krankenhausaufenthalt liegt. Seine Kollegin Pia Heinrich leidet nach wie vor unter den Folgen des Einsatzes. Sie braucht psychologische Unterstützung und ermittelt nur vom Schreibtisch aus. Für Ermittlerin Esther Baumann wird der Fall persönlicher, als ihr lieb ist. Der Spagat zwischen Job und Privatleben gerät zur Herausforderung.
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