Der Herausgeber und Vorstandsvorsitzende der „Washington Post“, Will Lewis, hat am Samstag seinen Rücktritt erklärt. Der Finanzvorstand Jeff D'Onofrio wurde zum kommissarischen Herausgeber und Chef ernannt, wie die Nachrichtenagentur AP erfuhr. Er war erst im vergangenen Juni zur Zeitung gestoßen.

Erst kürzlich hatte die angeschlagene US-Zeitung angekündigt, ein Drittel ihrer Belegschaft zu entlassen. In einer E-Mail an die Mitarbeiter schrieb Lewis, dass „schwierige Entscheidungen getroffen worden seien, um die nachhaltige Zukunft der ‚Washington Post‘ zu sichern“.

Weder Lewis noch der milliardenschwere „Post“-Eigentümer Jeff Bezos hatten diese Woche an einer Mitarbeiterversammlung teilgenommen, bei der die Entlassungen verkündet wurden. Unter anderem sollen die Sportredaktion aufgelöst, die Auslands- und Lokalberichterstattung stark zusammengestrichen und Fotojournalisten entlassen werden. Auch das Büro in Berlin fällt weg.

Die Gewerkschaft der „Washington Post“-Mitarbeiter bezeichnete den Rücktritt von Lewis als notwendig. „Der ⁠Rücktritt von Will Lewis ist längst ⁠überfällig“, erklärte die Washington Post Guild. „Sein Vermächtnis wird der Versuch sein, eine große amerikanische journalistische Institution zu ruinieren.“

Der in Großbritannien geborene Lewis war Verleger des „Wall Street Journal“, bevor er im Januar 2024 die Leitung der „Washington Post“ übernahm. Seine Zeit bei dem traditionsreichen Blatt war laut Beobachtern von Beginn an holprig verlaufen und von Entlassungen und einem gescheiterten Umstrukturierungsplan geprägt, der im Juni 2024 zum Rücktritt der damaligen Chefredakteurin Sally Buzbee führte.

Die „Washington Post“ hat überdies Zehntausende Abonnenten verloren. Hintergrund ist etwa die Anordnung von Eigentümer Bezos, in der Spätphase des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2024 eine erwartete Wahlempfehlung für die Demokratin Kamala Harris zurückzuziehen. Zudem lenkte er die liberalen Meinungsseiten in eine libertäre Richtung.

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