Dann und wann hat Donald Trump auf Truth Social, seinem eigenen sozialen Netzwerk, nicht allein Weltpolitik, sondern auch Buntes zu bieten, und am Wochenende, zufällig dem der „Melania“-Doku-Premiere, war es wieder so weit: Das Washingtoner Kennedy Center (seit Kurzem: das Trump Kennedy Center), teilte der amerikanische Präsident mit, werde für zwei Jahre die Türen schließen, um, gründlich renoviert, als „Bastion der Kunst und Musik“ wieder aufzuerstehen. Dies, so der Präsident, der in Personalunion auch dem Direktorium des Kulturzentrums vorsitzt, sei „der schnellste Weg, um das Trump Kennedy Center auf das höchste Niveau an Erfolg, Schönheit und Pracht zu bringen.“
Das klingt entschlossen, zupackend und gewiss nach keiner halben Sache, und Trump ist ja keiner, der nicht sagt, was er meint. Zudem ist das Kennedy Center weder für seine „Schönheit“ noch „Pracht“ bekannt. Dem Klotz am Ufer des Potomac sieht man sein Baujahr, 1971, an, dem vermeintlich „internationalen Stil“ hat nicht mal der italienische Carrara-Marmor zu Glanz verholfen, und dass das Trump Kennedy Center bis auf ein paar mehr schlecht als recht hinzugefügte Buchstaben an der Fassade ganz wie das alte Kennedy Center aussieht, dürfte auch nicht nach dem Geschmack des neuen Namensgebers sein. Ein wie auch immer aufgehübschtes Kulturzentrum hingegen könnte sich prima ins neue Washington fügen, in dem ein bereits geplanter Triumphbogen womöglich das Lincoln Memorial überragt und das Weiße Haus endlich auch einen schmucken Ballsaal besitzt – alles in allem eine perfekte Kulisse, um 2028 mit Pomp and Circumstance aus dem Präsidentenamt zu scheiden.
„Erfolg“ allerdings hat das Kennedy Center auch ohne äußere „Schönheit“ und „Pracht“ in seiner fünfzigjährigen Geschichte durchaus gehabt, angefangen mit Leonard Bernsteins „Mass“ zur feierlichen Eröffnung und nicht selten mit dem National Symphony Orchestra, dessen angestammte Heimat es ist. Seit aber der Trump-Vertraute Richard Grenell dort als Interims-Präsident wirkt, ist das Niveau, am Erfolg gemessen, eher gesunken: 2025 blieben rund 43 Prozent der Sitze in den noch unprächtigen Sälen leer, obwohl es doch bestimmt ein Publikum für nicht-woke Inhalte gibt und Amerikaner mit Patriotismus sonst nicht fremdeln. Womöglich ist Grenells bisheriges Geschäftsgebaren kontraproduktiv gewesen – die Washington National Opera hat sich bitterlich über nötige Finanzierungsnachweise beschwert – gewiss haben die vielen Absagen von Künstlern die Jahresbilanz verhagelt, zuletzt hat Komponist Philip Glass die Uraufführung seiner „Lincoln“-Sinfonie wegen politischer Differenzen storniert.
Der amerikanische Präsident könnte also noch ein Motiv haben, die Bauplane der Geschichte über das Center zu breiten – anders als oft unterstellt, versteht er sich ja durchaus auf Rückzugsmanöver. Im Fall des Trump Kennedy Centers könnte seine Kunst des Deals tatsächlich diese sein: eine richtige Baustelle eröffnen, um die metaphorische nicht länger zu sehen.
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