Über die Frage, welcher bildende Künstler des 20. Jahrhunderts wohl der bedeutendste sei, kann man bestens streiten. Es gibt viel Wettbewerb um die vorderen Plätze. Mit jeder Ausstellung von Jean-Michel Basquiat, mit jedem seiner großen Gemälde, aber auch mit weniger präsenten Bildern wird die Antwort allerdings klarer.
Es gibt wenige Kunstwerke, deren Ausdruckskraft sich so unmittelbar auf den Betrachter überträgt, wie die „Köpfe“ von Basquiat. Sie wirken so direkt, als gäbe es die distanzierende Grenze zwischen Leinwand und Auge nicht. Das empfand die Kunstszene in New York so, als Jean-Michel Basquiat sie 1978 als cooles Kid aus dem Umfeld von Street-Art und Hip-Hop betrat.
Und ebenso schockierend nahm man seine Kunst wahr, als Basquiat die Weltbühne zehn Jahre später nach steilster Karriere und dem finalen Konsum einer Überdosis Drogen am 12. August 1988 im Alter von 27 Jahren wieder verließ. Sein Werk wirkt heute immer noch aus sich selbst heraus, ohne Vermittlung, ohne wortreiche Erklärung oder Verklärung, die heute oft von Künstlern selbst schon mit verabreicht wird.
Von 1981 bis 1983 zeichnete er eine Reihe von humanoiden Köpfen, mit Pastellkreiden und Oil-Sticks, mal skelettiert, mal roboterhaft, mal stumm, mal schreiend, immer mit Augen und Mündern, die sich wie Portale zum Innenleben des Menschen öffnen. Viele der Bilder behielt Jean-Michel Basquiat bis zu seinem Tod für sich.
Erst zwei Jahre später wurden einige öffentlich gezeigt. Nun stehen sie erstmals im Zentrum einer großen Schau in Europa sehen: „Basquiat – Headstrong“ ist ab dem 30. Januar 2026 im Louisiana Museum unweit von Kopenhagen zu sehen, die Ausstellung wird von einem umfassend illustrierten Katalog begleitet.
Ausgangspunkt für die Ausstellung ist Jean-Michel Basquiats eigene Aussage, er beginne ein Bild mit einem Kopf. Der Kopf ist dabei meist kein individuelles Porträt, sondern dient als zentrales Ausdrucksfeld existenzieller und psychischer Zustände. Zwischen fünfzig und hundert dieser physiognomischen Studien entstanden in einer Zeitspanne von nur zwei Jahren.
Die Farbzeichnungen verzichten weitgehend auf Textfragmente und Symbole. Gerade diese Wortlosigkeit verleiht den Köpfen eine besondere Stellung innerhalb Basquiats Œuvre: Es sind autonome „Visionen“, wie es im Katalog zur Schau heißt, keine Skizzen. Obwohl Köpfe auch in Basquiats Gemälden häufig präsent sind, stehen sie dort im Kontext eines dichten Geflechts aus Zeichen, Referenzen und kulturellen Codes; auf den Zeichnungen sind sie das alleinige Sujet.
Als intime, vom Künstler bewusst zurückgehaltene Bilder eröffnen sie einen unmittelbaren Zugang zu seiner künstlerischen Dringlichkeit, einem Talent ohnegleichen. Einmal mehr bekräftigen sie den Mythos Jean-Michel Basquiat.
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