Die Bilder schimmern wie ein Instagram-Sommer, aber enden als Abrechnung. Ikkimel und Katja Krasavice haben einen neuen Song veröffentlicht, "Bitch" heißt er. Dazu ein Video, das mit Strand, Meer und elfenbeinfarbener Yacht beginnt, als gäbe es noch eine Welt, in der alles weichgezeichnet ist. Doch dieser Urlaub dient nur als Kulisse für Eskalation.
Ikkimel und Katja Krasavice machen sexgeladene Songs
Ikkimel und Katja Krasavice – ein naheliegendes Duo mit Millionenreichweite. Beide sind Ende 20 und rappen über Sex, Ekstase und weibliche Geilheit. Nie verblümt, immer derb. Es wird gefickt, gerotzt und gesoffen; ihre Songs heißen "ASZENDENT BITCH" oder "DOGGY". Die Musik ist ein lusthungriger und kokshibbeliger Mix aus Hip-Hop, Techno und Hyperpop. Ihre Ästhetik: Paris Hilton meets BDSM, viel nackte Haut, viel Bling-Bling. Beide Frauen werden geliebt und gehasst.
Und jetzt also ihr erstes gemeinsames Lied. "Bitch" ist ein typischer Song aus dem Genre "Fotzenrap", sehr tanzbar und schön doll. Der Beat ist ein Sample von Eminems Klassiker "The Real Slim Shady", und wer Eminems Alter Ego kennt, liest diese Wahl schon als Hinweis: Provokation als Rolle, Überzeichnung als Methode.
Natürlich ist "Bitch" zuallererst Partymucke, kein Proseminar. Und doch steckt ganz schön viel Gegenwart in diesem Song. Neu ist nicht die emanzipierte Strass-Inszenierung der Rapperinnen, sondern die Haltung, die sie transportieren: Männer gelten nur noch als verzichtbares Risiko. Man kann "Bitch" als fetzigen Feiersong hören. Oder als Protokoll einer Generation, die beim Dating längst nicht mehr an ein Happy End glaubt.
"Halt die Fresse, ich will eh nur Sex"
Bevor der Song losschmettert, telefonieren die beiden Rapperinnen mit kaugummipinken Klapphandys:
Katja: "Wir haben ein großes Problem. Wir müssen Hurensohn 4 eliminieren"
Ikkimel: "Der Fette mit dem Doppelkinn?"
K: "Ne, nicht der"
I: "Die Hackfresse aus Oberbayern?"
K: "Die Hackfresse mögen wir, das weißt du"
I: "Dein Letzter mit dem Mutterkomplex?"
K: "Ja genau"
I: "Oh Mann ey, am Ende sind sie alle immer gleich. Aber ok, ich helf dir."
Romantische Liebe mit Männern ist eh unmöglich
Man muss diesen Auftakt unbedingt doppelt deuten: Einmal als ironische Pose, einmal als fatalistische Diagnose. Der austauschbare "Hurensohn 4" ist vielsagend, denn Männer erhalten hier keine Namen mehr, sondern nur noch Wegwerf-Codes. Im Song rappt Katja: "Halt die Fresse, ich will eh nur Sex. Und vertrau' kei'm Mann, egal, wie gut er leckt, mh (Ah)". Intimität wird getrennt von Vertrauen, Sex isoliert von Zukunft. Dating ist hier längst kein Hoffen auf Disney-Romantik mehr, sondern nur noch Sex-Besorgungsakt.
Das passt zum kulturellen Buzzword unserer Zeit: Heterofatalismus. Die desillusionierte, bittere Überzeugung, dass heterosexuelles Dating für Frauen vor allem emotionaler Verschleiß sei. Eine gerade sehr verbreitete Haltung vieler junger, großstädtischer Frauen, die das Gefühl haben: Romantische Liebe mit Männern ist eh unmöglich. "Am Ende sind sie alle immer gleich", sagt Ikkimel am Anfang, und aus diesem Pauschalurteil spricht vor allem eines: Resignation.
Männern kann man nicht trauen, dem Kontostand aber schon, so ihr Credo. Beide rappen im Song viel über Geld, das ist zwar typisch im Hip-Hop, aber hier bekommt das ständige Erwähnen, wie "rich" man sei, noch eine weitere Ebene: Geld ist nicht nur Flex, sondern Unabhängigkeitsbehauptung. So wird aus selbst erarbeitetem Reichtum eine Schutzerklärung gegen romantische Abhängigkeit.
Die Machtumkehr ist hier nicht subtil, sondern plakativ
Und der einzige Mann, der im Video vorkommt? Zwar schön, aber stumm. Er bleibt namens- und machtlos. Da liegt er K.O. im Boxring, während die beiden Rapperinnen vor ihm posieren. Die Machtumkehr ist hier nicht subtil, sondern plakativ: Männer werden zurück objektifiziert, reduziert auf Körper, auf Funktion. Das kann man als feministische Rache lesen – oder als Beweis, wie schwer es ist, aus der Logik auszubrechen, die man kritisiert.
Bleibt die interessanteste Frage, die über dem Song schwebt, eine Frage, die sich Feministinnen ebenso wie die Rapperinnen selbst stellen dürfen: Was kommt nach dem großen Männer-Abgesang?
Vielleicht erst einmal weiterhin Musik, die so laut ballert, dass man das eigene Bedürfnis nach Nähe nicht mehr hören muss. "Bitch" klingt wie ein Siegeszug, aber erzählt auch von Erschöpfung: vom Wunsch, unverwundbar zu sein, weil man zu häufig enttäuscht wurde. Doch wenn am Ende "alle immer gleich" sind, dann ist das nicht nur ein Urteil über Männer, sondern auch ein Ausdruck unserer zynischen Zeit, in der Hoffnung peinlich geworden ist. Will man so auf die Welt blicken?
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