Allen Anwesenden laufen Tränen über die Wangen. Vor dem Altar stehen Gunnar und Josy und gestehen sich ihre Liebe. "Mit dir darf ich ich sein, darf ich ganz sein", sagt Josy. "Wir durften beide lernen, dass Liebe blind ist", säuselt Gunnar und liest dabei anscheinend das Skript von Netflix ab.
Ganz offensichtlich soll Gunnar gerade die Antwort auf die Frage liefern, die in der Serie "Love is blind" nicht oft genug wiederholt werden konnte: Ist Liebe wirklich blind?
Um das herauszufinden, sahen sich die Männer und Frauen vor der Verlobung nicht, sondern hörten sich nur, getrennt von einer Wand. Erst nach dem Heiratsversprechen trafen sie aufeinander, flogen in den Urlaub und zogen zusammen – bis sie nach sechs Wochen vor dem Altar standen. Am Ende sagten Josy und Gunnar Ja, ebenso wie Jessi und Konsti. Bei Jasmin und Andi klappte es nicht. Sie servierte ihn vor dem Altar ab. Am traurigsten darüber war Andis Mutter.
"Love is blind" – stimmt das?
Ist Liebe nun blind oder nicht? Fünf Erkenntnisse aus der aktuellen Staffel:
1. Ohne körperliche Anziehung läuft gar nichts
Liebe ist blind – bis man sich zum ersten Mal sieht und in manchen Fällen merkt, dass die körperliche Anziehung gleich null ist. Etwas zu erzwingen, funktioniert auch nicht, nicht einmal nackt unter der Dusche. Jubriel und Wendy haben es versucht. "Wir stehen in der Dusche und es macht gar nichts mit ihm", erzählt sie betroffen. Sie hatten sich ineinander verliebt, ohne sich gesehen zu haben. Nach dem persönlichen Kennenlernen löste sich das Interesse aneinander schneller auf als ein Netflix-Abo im Probemonat.
2. Verlieben entsteht durch Projektion
"Love is blind" beweist eindrucksvoll: Je weniger zwei Personen voneinander wissen, desto schneller verlieben sie sich manchmal. Oft reicht eine einzige Gemeinsamkeit, ein Detail, zum Beispiel, dass beide gern Schlager hören. Schon werden fehlende Informationen über das Gegenüber herbeigeträumt. "Ich dachte, sie hätte blonde Haare und Riesenbrüste", beschreibt Konsti später seine erste Vorstellung von Jessi. Er hatte erfahren, dass sie Schlager mag und Skistöcke besitzt, in die sie Schnaps füllen kann. Damit stand für ihn fest: Das muss die Frau seines Lebens sein.
3. Schicksal ist extrem dehnbar
Zwei Menschen mögen Schlager, denselben Fußballverein oder Stirnküsse – was könnte das anderes bedeuten als: Schicksal. Selten wurde der Begriff im Reality-TV so inflationär verwendet wie in dieser Staffel von "Love is blind Germany". Wer hier an kosmische Fügungen glaubt, unterschätzt offenbar die Castingabteilung von Netflix. Oder hofft ganz bewusst auf das Schicksal, um selbst keine Entscheidung treffen zu müssen.
4. Geteiltes Trauma kann eine Verbindung ersetzen
Kennenlernen im Reality-TV heißt: Erzähl mir von deinem schlimmsten Trauma. Fast jeder der Teilnehmer hat von etwas Schrecklichem zu berichten: von Rassismus, Todesfällen oder einer schweren Krankheit. Kein Wunder, es soll für die Zuschauer ja spannend bleiben. Schon bald weiß das Gegenüber mehr als ein Therapeut nach einem Monat. Dabei zeigt "Love is blind" auch: Nur weil man das dunkelste Kapitel des anderen kennt, heißt das noch lange nicht, dass auch das Zusammenwohnen klappt.
5. Liebe kann überall entstehen
Und trotzdem: Paare wie Josy und Gunnar machen Mut, indem sie zeigen, dass Liebe überall entstehen kann, selbst an den unwahrscheinlichsten Orten, wie in einer Reality-TV-Datingshow! Hätte sie Gunnar gesehen, hätte sich Josy vielleicht nicht in ihn verliebt, wie sie zugibt. Männer mit Glatze und Stoppersocken sind eigentlich nicht ihr Typ. Wie schön, dass sie Ja sagen musste, bevor sie hinschauen konnte.
Liebe ist blind, aber TV-Caster sind es zum Glück nicht.
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