Die Washington National Opera mag nicht das bedeutendste Opernhaus der USA sein. Die spielen immer noch in New York, Chicago und San Francisco – auch wenn sie infolge der schlechten Wirtschaftslage und ohne nennenswerte staatliche Subventionen ihre Federn gelassen haben. Aber die 1957 gegründete Oper hatte seit der Eröffnung 1971 ihren Sitz im eben doch von der Regierung teilunterstützten John F. Kennedy Center for the Performing Arts.
Das von außen bunkerartige Gebäude am Potomac-Ufer gilt als eine Art Schrein der Künste. Benannt nach einem Präsidenten, der nun auch nicht unbedingt ein Schöngeist war, aber der immerhin die Künste anerkannte und sich mit den besten der sie Ausführenden im Weißen Haus umgab.
In Donald Trumps zweiter Amtszeit ist das Kennedy Center zu einem Fanal für dessen Bestrebungen geworden, politisch auf die Kulturwelt Einfluss nehmen zu wollen. Kurz vor Weihnachten wurde die längst mit seinen Vertrauten besetzte Institution in einem weiteren Handstreich in „Trump Kennedy Center“ umbenannt. Der Geehrte gab sich überrascht, aber schon einen Tag später enthüllten Arbeiter die neuen Lettern an der Betongebäudewand. Ein Mitglied der Kennedy-Familie sagte daraufhin, man habe schon eine Spitzhacke gekauft, und warte auf den Tag in drei Jahren, um es wieder rückgängig zu machen.
Jetzt hat die Washington National Opera mitgeteilt, dass sie als einer der beiden Ankermieter des Hauses neben dem National Symphony Orchestra in den beiden größten Veranstaltungssälen so schnell wie möglich ausziehen und sich eine andere Bleibe suchen möchte. Wie die Intendantin und weltweit gefragte Regisseurin Francesca Zambello schon früher moniert hatte, verlor die Institution, seit Trumps Vertrauter Richard Grenell dem Haus vorsteht, massiv an zahlenden Zuschauern wie Sponsoren, die unter solchen Vorzeichen und für ein solches Gebäude nicht mehr kommen und spenden möchten. Kürzlich hat auch der Broadway-Komponist Stephen Schwartz („Wicked“) die Moderation der alljährlichen Spendergala wegen des Umfelds abgesagt.
Der Auszug ist ein mutiger und offenbar verzweifelter Schritt. Die Oper hat sich, trotz des langjährigen Glamour-Intendanten Plácido Domingo, immer wieder mit ihrer Finanzierung schwergetan. Vor einigen Jahren stand schon mal ein Umzug in ein zentrales, leer stehendes Kaufhaus an, doch die damalige Leitung des Kennedy Centers war ihr mit der Miete entgegengekommen.
Jetzt wird es schwierig, man hofft aber auf die Solidarität der Besucher wie Freunde, die nicht in einem bald in Melania Trump Opera House benannten Auditorium Musiktheater genießen möchten (eine solche Resolution zur Namensänderung wurde schon von den Republikanern eingebracht). In der näheren Umgebung allerdings gibt es kein so großes Theater mit passendem Orchestergraben wie das 2400 Zuschauer fassende Opera House im Center. Man wird erst einmal weniger Vorstellungen anbieten können.
Richard Grenell hat das Vorhaben bereits auf seine Weise kommentiert. Die Institution sei sowieso am Ende, keiner wolle deren Produktionen mehr sehen. Jetzt habe man endlich die Gelegenheit, Top-Musiktheater-Acts ins Trump Kennedy Center einzuladen. Doch wo sollen die so schnell herkommen? Oper erfordert langfristige Vorplanung und großen Aufwand. Grenell verlangt aber, dass sich alle Veranstaltungen selbst tragen sollen. In der Kunst ein Ding der Unmöglichkeit.
Gerade die Aufführungen gastierender Opernhäuser sind besonders teurer, was sich in einem Amerika hoher Nebenkosten, Steuern und Zölle zusätzlich bemerkbar macht. Zudem zahlt dort niemand die früher etwa in Japan noch üblichen Fantasiepreise für Gastspiele aus London, Mailand oder Wien, die auch dort längst die Ausnahme geworden sind. Außerdem wird noch um die von Center wie Oper gehaltene Stiftungsrücklage von 30 Millionen Dollar gestritten.
Leidensfähiger scheint das National Symphony Orchestra zu sein. Dort haben einige Musiker schon geäußert, dass man, weil man sich anderes nicht leisten könne und an seine Familien denken müsse, eben die Zähne zusammenbeiße und vor jedem Konzert, wie von Grenell angeordnet, die Nationalhymne spiele, bisweilen auch von zahlenden Laien dirigiert.
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