Zu seinem 50. Geburtstag schrieb ich damals in meiner Laudatio im "HB ohne Filter" für den Jubilar die hoffnungsfrohe schwäbische Losung: Lieber einen gescheiten 60er als einen falschen 50er! Jetzt ist – in Perspektive zu seinen 70 Lenzen – die schwäbische Steigerung angesagt: gescheit, gescheiter, gescheitert. Weshalb? Was Uwe Brosette in den vergangenen zehn Jahren automobiljuristisch zu begleiten hatte, hat wirklich dimensionale Züge. Schwerpunktmäßig seien der unechte und echte Agenturvertrieb aufgerufen. Und jetzt wieder die Rückführung zum angestammten echten Händlervertrieb. Es seien querbeet Händlervertragskündigungen, vor allem in der VW‑Organisation, aufgerufen. Was wird aus den gekündigten Händlern? Das Ganze hat gleichermaßen Auswirkungen bei den Captive‑Banken und Leasinggesellschaften. Brosette gilt aus gutem Grund als einer der führenden Vertriebsrechtler in Europa, einer, der die Übersicht hat.
Juristische Komplexitäten
Als Kenner der deutschen und europäischen Händlernetze war er im abgelaufenen Dezennium Mitgestalter innovativer Entwicklungen – darunter Pooling‑Modelle, Crossborder‑Kooperationen sowie Händlerzusammenarbeit und -übernahmen. Damit verbunden waren auch wettbewerbsrechtliche Fragestellungen via Kartellamt. Auch der gesamte Bereich E‑Commerce erforderte neue juristische Notationen. Dass diverse Urteile der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen zahlreiche Händler – diesem Radolfzeller NGO‑Abmahn‑ und Abzockerverband – ergingen, entspricht wirklich nicht seiner fundierten Betrachtungswelt. Diese Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung für Neuwagen gehört als dringliche Entbürokratisierungsmaßnahme, papierene Umweltverschmutzung und unhaltbare DUH‑Bereicherung endlich vom Tisch. Ihr Verbände: Wie lange denn noch?
Berufliche Stationen
1995 legte Brosette nach abgeschlossenem Studium in Augsburg und Bochum sowie der Zulassung als Rechtsanwalt bei Christian Genzow seinen automobilen Berufsstart hin. Schwerpunkt: Vertriebsrecht! Seit 2001 dann unter dem Dach von Osborne Clarke Deutschland in Köln, wo der in Saarlouis geborene Jubilar heute mit seiner Frau und zwei Kindern seine zweite Heimat gefunden hat. Der "gescheite 60er" wurde aus gutem Grund zu seinem "Runden" im Januar 2026 Senior Partner bei Osborne Clarke Deutschland.
Kollegiale Verbindungen
Aufgrund seiner Expertise erhielt Brossette bereits 2010 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen‑Geislingen. Auch dort waren wir Kollegen und hatten stets regelmäßige persönliche Begegnungen. Es war mir als Herausgeber von AUTOHAUS und Aktivist bei der AUTOHAUS akademie große Freude und Bereicherung, Brosette als Buchautor, als juristischen Spezialautor im Fachmagazin AUTOHAUS sowie bei zahlreichen Veranstaltungen wie den AUTOHAUS Perspektiven oder der AUTOHAUS sommerakademie als Dozenten verpflichten zu können.
Persönliche Reflexion
In den nun 30 Jahren gemeinsamen Weges möchte ich dem Jubilar mit ganz großer Verbeugung Dank und Reputation zollen. Die automobile Rechtsmaterie wurde von Jahr zu Jahr komplexer. Man denke an all die GVO‑Stationen 2002 (Mehrmarkenvertrieb!), 2010, dann 2022. Ich konnte ihn immer um Rat fragen. Und er hat die besondere Gabe, Komplexitäten für einen interessierten Automobilisten wie mich juristisch, versehen mit geradlinigem Hausverstand, verständlich zu machen. So konnte er auch alle Zuhörer in all seinen Vorträgen bereichern.
Noch etwas zu unserer gemeinsamen Wanderschaft: Ich kann mich an keinen Anruf oder keine E-Mail erinnern, in der er mir nicht unmittelbar fundiert Rede und Antwort stand – auch hintergründig! Wenn man "ohne Filter" schreiben möchte, braucht man Wegbegleiter, die einen hinter den Zaun blicken lassen. Ansonsten kann man nur "mit Filter" schreiben. Und auch dazu sage ich dem Jubilar von Herzen Dank! Experten wie ihn darf man nicht in der 65er‑Rentnerperspektive gehen lassen. Es wäre wertvolles, verlorenes Kapital. Wir alle brauchen ihn, um das komplexe Juristenschiff weiter in Balance zwischen Hersteller‑ und Handelsinteressen zu halten. Er kann das! Gratulation – mit herzlichem Dank und froher Zuversicht für sein besonderes Branchenwirken! Das BVB‑Drama in Bergamo möge ihn als BVB‑Fan vor lauter Rot und Elfmeter in letzter Minute mental nicht beeinträchtigen. Er vertraue weiterhin der gelben BVB‑Trikotfarbe, den sonnigen Lichtstrahlen, die daraus wirken, die stets für Gemütserhellung sorgen und selbst ein automobiles Juristenherz wieder aufrichten und noch mehr: hoffen lassen!
Uwe Brosette, ganz herzliche Gratulation!
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