RUMMS – schon wieder eins erwischt.
Die Fahrt durch die Hamburger Innenstadt bei Dunkelheit gleicht einem Glücksspiel. Zu gewinnen gibt es wenig – zu verlieren umso mehr. Jeder Schlag lässt mich an meine Felgen denken: Ist es noch einmal gut gegangen? Oder hat die Straße dieses Mal wieder zugeschlagen? Vielleicht bin ich überängstlich geworden – kein Wunder. Zwei Felgen und einen Reifen haben die Asphaltkrater dieser Stadt mich schon gekostet. Und damit eine unschöne Lücke in meinem Konto hinterlassen.
Gefühlt wird es jedes Jahr schlimmer. Erst kürzlich meldete die Stadt Hamburg, man wolle dem Problem mit den Schlaglöchern endlich begegnen. Ich hoffe, man hält Wort.
Doch wie entstehen diese Mini-Schluchten im Asphalt eigentlich – und warum so viele auf einmal? Die Stadt Hamburg erklärt: „Die anhaltenden Wechsel zwischen Frost und Tauwetter der vergangenen Wochen haben auf Hamburgs Straßen zu einer deutlich erhöhten Zahl von Schlaglöchern geführt.“
Der Mechanismus ist simpel: Läuft Wasser in Risse und gefriert, dehnt es sich aus und hebt den Belag. Beim Tauen bleibt ein Hohlraum zurück. Fahrzeuge, die darüberrollen, zerbröseln den geschwächten Asphalt weiter. Ein Teufelskreis – beschleunigt durch Alter, Bauqualität und Streusalz.
Es werden immer mehr Schlaglöcher
Der Eindruck, dass die Straßen von Jahr zu Jahr schlechter werden, täuscht also nicht. Das liegt auch an der Instandsetzung selbst. Die häufig provisorischen Notlösungen der Kommunen, um Krater schnell und günstig zu stopfen, halten kaum. Für kleine Flickstellen kommt meist Kaltasphalt zum Einsatz – der, anders als Heißasphalt oder ein neuer Belag, nicht sonderlich haltbar ist. Dass die reparierte Stelle wieder aufreißt, ist nur eine Frage der Zeit. Zudem erfolgen die Arbeiten oft bei Kälte, Nässe und unter Zeitdruck. Die Gefahr, dass erneut Wasser eingeschlossen wird, ist groß.
Als Autofahrer ist man dem ausgeliefert. Prävention? Fehlanzeige – höchstens bei der Fahrzeugwahl. Zwar heißt es, man solle „angemessen fahren“ und mit den Felgenfallen rechnen, aber das ist bei Dämmerung leichter gesagt als getan. Wer Riesenfelgen mit schmalen Reifen fährt, spürt jedes Loch doppelt. SUVs oder Geländewagen rollen zwar gnadenlos über alles hinweg, verschlimmern aber die Schäden. Sportwagen wiederum sollte man auf Hamburger Straßen besser gar nicht ausführen. Sie können ja mal Rod Stewart fragen, der für seinen Ferrari die Reparatur seiner Auffahrt in England kurzerhand selbst anging.
Ist ein Schaden entstanden, stellt sich die Frage nach der Haftung. Hier sieht es düster aus. Denn theoretisch ist zwar die Gemeinde verantwortlich – praktisch aber sind Klagen wenig aussichtsreich. „Neben der Verpflichtung, die Straßen in einem ordentlichen Zustand zu halten, haben auch die Verkehrsteilnehmer eine Verpflichtung, sich den Bedingungen anzupassen. Im Winter/Frühjahr gehört dazu, dass mit Schlaglöchern gerechnet werden muss“, erklärt ein Sprecher der Stadt Hamburg. Weiter heißt es: „Erst ab einer Schlaglochtiefe von ca. 20 cm kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Verkehrsteilnehmer das erkennen und entsprechend handeln können. Schlaglöcher dieser Tiefe treten aber selten auf.“
Der TÜV rät dennoch zum Versuch, die Kosten an die Gemeinde oder Stadt weiterzugeben. Auf Autobahnen stehen die Chancen gut – kleinere Straßen unterliegen hingegen anderen Regeln. Beißt man auf Granit, bleibt Autofahrern mit Teil- oder Vollkasko nur der Weg zum eigenen Versicherer. Oft lohnt sich das jedoch nicht: hoher Selbstbehalt, mögliche Rückstufung der Schadensfreiheitsklasse – und am Ende höhere Prämien.
In den meisten Fällen bleibt es bei Materialschäden – ich sitze schließlich geschützt in meiner Blechkugel. Schlimmer trifft es Menschen auf zwei Rädern: Motorradfahrer im Frühling, Rollerfahrer, die jedem Wetter trotzen, und mutige Radler.
Im Grunde haftet … niemand?
Dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sind Schlaglöcher daher ein ständiges Anliegen. Doch selbst die Verantwortung für Personenschäden, die bei Stürzen schnell entstehen, lässt sich nur schwer auf die Kommunen abwälzen. Alexander Besner-Lettenbauer, ADFC-Referent Recht, erklärt: „Menschen auf dem Fahrrad müssen grundsätzlich selbst auf sichtbare Gefahren achten und ihre Geschwindigkeit dementsprechend anpassen. Haftpflichtversicherungen decken in der Regel keine eigenen und selbst verschuldeten Schäden. Hier können aber eine zusätzliche Fahrradversicherung und eine zusätzliche Unfallversicherung helfen. Nur in Ausnahmefällen haftet derjenige, der für den Radweg zuständig ist. Das kann je nachdem der Bund, das Land, der Kreis oder die Gemeinde sein.“
Die erwähnten Ausnahmefälle beschreibt Besner-Lettenbauer so: „Gerichte haben bei versteckten Baumwurzelaufbrüchen schon zugunsten des Gestürzten entschieden. Sie machten die Gemeinde haftbar, wenn diese nicht auf die Gefahrenstelle hingewiesen hatte. Bei sehr tiefen Schlaglöchern reicht es auch nicht aus, einfach nur einen Warnhinweis aufzustellen. Die Gefahrenstellen müssen beseitigt werden.“
Wichtig ist für Auto- und Zweiradfahrer gleichermaßen, den Unfall so genau wie möglich schildern zu können. Der ADFC sagt: „Wenn der Geschädigte verletzt ist, ist es wichtig, den Notruf und die Polizei zu rufen. Letztere sichert die Unfallstelle ab und nimmt ein Protokoll auf. Es ist außerdem ratsam, Fotos oder Videos vom Unfallort zu machen, ein eigenes Protokoll mit dem Unfallhergang anzulegen und gegebenenfalls die Kontaktdaten von Zeugen zu notieren.“
Die Klagen über Schlaglöcher kommen ebenso regelmäßig wie die über Silvesterfeuerwerk – ein alljährliches Trauerspiel. Ich will, dass das endlich aufhört. Warum fahren in Deutschland zum Beispiel noch keine Robotersysteme wie Robotiz3d nachts durch die Gegend und flicken, was zu flicken ist? Kreative Lösungen gäbe es. Aber noch immer helfen wir uns mit Absperren, Kaltflicken und Warten, bis es wieder reißt. Das kostet Zeit, Personal und Geld. Wirklich geholfen ist damit niemandem – und meinen Felgen schon gar nicht.
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