Als Nestor der passiven Sicherheit bei Mercedes und auch der übrigen Automobilwirtschaft gilt bis heute der gebürtige Österreicher und spätere Professor Béla Barényi, Urheber u.a. von 2.500 Patenten. Ab 1939 arbeitete Barényi für die Daimler-Benz AG und machte die passive Sicherheit von Autos zu seiner Lebensaufgabe. Zusammen mit Daimler-Benz-Entwicklungsvorstand Hans Scherenberg formulierte Barényi 1966 die bis heute gültige Aufteilung von aktiver und passiver Sicherheit.
Erste Fahrgastzelle mit Knautschzone vor 75 Jahren
1951 gelang Barényi mit seiner zum Patent angemeldeten Sicherheitsfahrgastzelle der wohl bedeutendste Durchbruch: Erstmals wurde eine hochfeste Fahrgastzelle mit einer definierten Knautschzone versehen. In der im August 1959 präsentierten Oberklasse-Baureihe W 111 ("Heckflosse") ging diese Innovation erstmals in Serie. Die ersten Crashversuche unter Realbedingungen, die einen Monat später nochmals mit einem Vorserienfahrzeug der Baureihe W 110 gefahren wurden, bestätigten den avisierten Erfolg der Sicherheitsfahrgastzelle deutlich.
Unfallforschung mit Real-Crashs seit 1959
Die Entscheidung, künftig neben Berechnungen und der Auswertung realer Unfälle auch eigene Crashversuche durchzuführen, fiel bereits im Jahr 1958. Ein Jahr später sollte es am 10. September 1959 dann so weit sein: Wie der MB-Oldtimer-Ticker (mvconlineticker.de) berichtete, wurde an diesem Tag ein Vorserienfahrzeug der kommenden Baureihe W 110 einem Frontalaufprall auf ein feststehendes Hindernis ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war auch der weltweit erste Personenwagen mit Sicherheitskarosserie bereits auf dem Markt, die Oberklasselimousine der Baureihe W 111.
Fußgängerschutz bereits 1948 im Fokus
Barényis Konstruktionen und Erfindungen machten Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz zu den sichersten ihrer Zeit. Erstes Projekt war ein neuartiger Plattformrahmen für das Mercedes-Benz-170V-Cabriolet (Baureihe W 136), der Insassen bei einem Seitenaufprall besser schützte als bei früheren Konstruktionen. Die Serieneinführung dieses Konzepts erfolgte 1953 bei der "Ponton"-Baureihe W 120. 1948 erfand Barényi ein Prinzip für versenkte Scheibenwischer, die ein geringeres Verletzungsrisiko für Fußgänger bedeuten. Auch die sogenannte Sicherheitslenksäule geht auf ihn zurück.
Sicherheitslenkung als weiterer Meilenstein
1963 erfand Barényi die "Sicherheitslenkwelle für Kraftfahrzeuge" und ließ auch diese Technik patentieren. Als vollständiges System hatte diese Sicherheitslenkung 1976 in der Baureihe W 123 Premiere. Neben seinem Engagement für die passive Sicherheit entwickelte Barényi wegweisende Automobilkonzepte wie das Wohnmobil Mercedes-Benz Großer Reisewagen und das Kompaktfahrzeug K-5. Ab 1955 bis zu seiner Pensionierung 1974 leitete er die Vorentwicklung bei Daimler-Benz. Am 30. Mai 1997 verstarb er im Alter von 90 Jahren in Böblingen.
Geröntger Crash – Speerspitze der Unfallforschung
Mercedes-Benz entwickelt die Methoden der Crashtests laufend weiter. 2016 wurde beispielsweise das heutige Technologiezentrum für Fahrzeugsicherheit in Sindelfingen eröffnet, das auch sehr komplexe Crashtests ausführen kann. Einen Offset-Crashtest zwischen zwei Elektroautos zeigte Mercedes-Benz im Oktober 2023. Rund ein halbes Jahr später röntgte Mercedes-Benz als erster Autohersteller weltweit einen Crashtest und macht damit alle Vorgänge in Fahrzeugstrukturen und Dummys sichtbar (wir berichteten).
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